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Wirtschaftsgeschichte
Papiergeld und
Gold
Seit wenigen Jahrhunderten besteht Geld vorrangig aus Papiergeld. Über
lange Zeit war ein Geldschein eine Urkunde des Staates, mit der man von ihm
den Gegenwert in Form von physischem Gold fordern konnte. Deshalb war Geld
nur in dem Maße ausgegeben, in dem auch Goldbestände vorhanden waren. Damit
war es nicht möglich, durch Anwerfen der Notenpressen viel mehr neues Geld
zu drucken. Dies stabilisierte die Volkswirtschaft und die Austauschfunktion
von Geld, wonach man durch Hingabe einer bestimmten Menge Geld eine
bestimmte Ware erhielt. Da der Wert des Geldes damit gleich blieb, konnte
man seine erarbeiteten Werte in Form von Geld aufheben, also lagern, und
dann den Gegenwert erst später in Waren eintauschen. Dies funktioniere in
der Zeit, in der der Geldverkehr über Bargeld erfolgte. So war es noch bis
weit in das 20. Jahrhundert hinein üblich, dass nur in Form von Bargeld
gezahlt wurde - so auch insbesondere die Löhne.
Es sollte sich zeigen, dass sich von hier ab bald zwei wesentliche
Meilensteine entwickelten, die das Zusammenleben von Geld und Gold und die
volkswirtschaftliche Schaffung von Liqidität auf neue
Grundlagen stellten:
Aufhebung der Golddeckung:
Mit der rasanten Entwicklung der Volkswirtschaften insbesondere ab Ende des
19. Jahrhunderts konnte der Goldzuwachs nicht mithalten, so dass es in
zunehmendem Maße zu Engpässen bei der Golddeckung des Bargeldes kam. Dies
führte dazu, dass zunächst die Golddeckung des Geldes reduziert und dann ganz aufgehoben wurde. Von nun an war Geld kein Umtauschzertifikat mehr
in Gold, sondern war ausschließlich vom Vertrauen in die Volkswirtschaft
getragen, dass der Staat den Wert des Geldes schützt und anerkennt.
International kam es daher zu einem Wettbewerb des Vertrauens in den Wert
des Geldes. Die Währungen eines Staates mit einer geringeren Vertrauenserzeugung verloren international an Wert
gegenüber Währungen eines Staates mit einer höheren Vertrauenserzeugung. Je weniger das Vertrauen in die Stabilität des Geldes war, desto mehr
wurde die Reservewährung Gold gekauft, so dass sich der Goldpreis
ständig und teils sehr stark erhöhte und die Währungen, der schlechteren
Staaten also das Geld, noch
mehr an Wert verloren. Damit war ein internationales System der Veränderung
von Wechselkursen erst so richtig geschaffen.
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Entwicklung von Buchgeld:
Mit der Zeit entwickelte sich jedoch Buchgeld, indem es die Banken
ermöglichten, bei ihnen ein Konto zu führen, dort Geld einzuzahlen und
dieses wieder Geld abzuheben, sobald es benötigt wurde. Der Anteil des Bargeldverkehrs bei der
Kontenführung wurde aber immer kleiner, weil immer mehr Zahlungen durch
Umbuchungen, also durch Überweisungen von einem Konto auf das andere erfolgt sind. Gegen Ende des 20.
Jahrhundert hatte damit das Bargeld volkswirtschaftlich keine wesentliche
Bedeutung mehr.
In der Anfangszeit, in der der Bürger über Bankkonten verfügte, spiegelte
der Kontostand des Kontos im Wesentlichen dasjenige wider, das vorher
eingezahlt wurde. Insofern war das Bankkonto mehr eine
Aufbewahrung von Geld, das bei der Bank sicherer war als zuhause.
Ferner konnten Vermögenswerte, etwa Immobilien, beliehen werden, so dass es
möglich war, den Gegenwert in Liquidität umzuwandeln und ein Verkauf zur
Beschaffung der Liquidität nicht notwendig war.
Jedoch erweiterten die Banken ab den 60er- und 70er Jahren des 20.
Jahrhunderts ihr Geschäftsmodell immer mehr dahin, dem Kunden auch Geld zur
Verfügung zu stellen, das er nicht hatte und für das es auch keinen
Gegenwert im Vermögen gab, sondern erst in der Zukunft
besorgen musste. Dem Kunden wurden deshalb Kredite auf die persönliche
Bonität eingeräumt, weil man dem Kunden vertraute, dass er in Zukunft das
zur Rückzahlung notwendige Geld wird beschaffen können. Da nunmehr bereits
die Liquidität zur Verfügung stand, die erst künftig erarbeitet werden
musste, kam es zu einer vermehrten Geldschöpfung. Dieses System der
Geldschöpfung wurde immer weiter ausgebaut und zuletzt brachen insbesondere
in den USA die letzten Dämme, indem den so genannten Ninas ("no income, no
assets", also Personen mit keinem Einkommen und keinem Vermögen) in
erheblichem Maße Liquidität zur Verfügung gestellt wurde. Diese Liquidität
floss in vergängliche Vermögenswerte wie Konsumgüter und in Immobilienwerte,
die nicht real bestanden, sondern nur im Wege einer Spekulationsblase
aufbebläht wurden.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Geld mit Gold nichts mehr zu tun. |
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