Suchen bei seefelder.de
Benutzerdefinierte Suche

Montag, 21.05.2012

Wirtschaftsverlag für Unternehmensführung
Aus der Praxis - für die Praxis

Home Inhaltsverzeichnis Lexikon Unternehmensbörse Über uns Impressum, Kontakt

Mustersammlungen für Verträge zum Unternehmensrecht,
Broschüren und Mustervorlagen zur Unternehmensführung








Wirtschaftsgeschichte Papiergeld und Gold

Seit wenigen Jahrhunderten besteht Geld vorrangig aus Papiergeld. Über lange Zeit war ein Geldschein eine Urkunde des Staates, mit der man von ihm den Gegenwert in Form von physischem Gold fordern konnte. Deshalb war Geld nur in dem Maße ausgegeben, in dem auch Goldbestände vorhanden waren. Damit war es nicht möglich, durch Anwerfen der Notenpressen viel mehr neues Geld zu drucken. Dies stabilisierte die Volkswirtschaft und die Austauschfunktion von Geld, wonach man durch Hingabe einer bestimmten Menge Geld eine bestimmte Ware erhielt. Da der Wert des Geldes damit gleich blieb, konnte man seine erarbeiteten Werte in Form von Geld aufheben, also lagern, und dann den Gegenwert erst später in Waren eintauschen. Dies funktioniere in der Zeit, in der der Geldverkehr über Bargeld erfolgte. So war es noch bis weit in das 20. Jahrhundert hinein üblich, dass nur in Form von Bargeld gezahlt wurde - so auch insbesondere die Löhne.   

Es sollte sich zeigen, dass sich von hier ab bald zwei wesentliche Meilensteine entwickelten, die das Zusammenleben von Geld und Gold und die volkswirtschaftliche Schaffung von Liqidität auf neue Grundlagen stellten:

Aufhebung der Golddeckung:
Mit der rasanten Entwicklung der Volkswirtschaften insbesondere ab Ende des 19. Jahrhunderts konnte der Goldzuwachs nicht mithalten, so dass es in zunehmendem Maße zu Engpässen bei der Golddeckung des Bargeldes kam. Dies führte dazu, dass zunächst die Golddeckung des Geldes reduziert und dann ganz aufgehoben wurde. Von nun an war Geld kein Umtauschzertifikat mehr in Gold, sondern war ausschließlich vom Vertrauen in die Volkswirtschaft getragen, dass der Staat den Wert des Geldes schützt und anerkennt. International kam es daher zu einem Wettbewerb des Vertrauens in den Wert des Geldes. Die Währungen eines Staates mit einer geringeren Vertrauenserzeugung verloren international an Wert gegenüber Währungen eines Staates mit einer höheren Vertrauenserzeugung. Je weniger das Vertrauen in die Stabilität des Geldes war, desto mehr wurde die Reservewährung Gold gekauft, so dass sich der Goldpreis ständig und teils sehr stark erhöhte und die Währungen, der schlechteren Staaten also das Geld, noch mehr an Wert verloren. Damit war ein internationales System der Veränderung von Wechselkursen erst so richtig geschaffen.



Entwicklung von Buchgeld:
Mit der Zeit entwickelte sich jedoch Buchgeld, indem es die Banken ermöglichten, bei ihnen ein Konto zu führen, dort Geld einzuzahlen und dieses wieder Geld abzuheben, sobald es benötigt wurde. Der Anteil des Bargeldverkehrs bei der Kontenführung wurde aber immer kleiner, weil immer mehr Zahlungen durch Umbuchungen, also durch Überweisungen von einem Konto auf das andere erfolgt sind. Gegen Ende des 20. Jahrhundert hatte damit das Bargeld volkswirtschaftlich keine wesentliche Bedeutung mehr.

In der Anfangszeit, in der der Bürger über Bankkonten verfügte, spiegelte der Kontostand des Kontos im Wesentlichen dasjenige wider, das vorher eingezahlt wurde. Insofern war das Bankkonto mehr eine Aufbewahrung von Geld, das bei der Bank sicherer war als zuhause. Ferner konnten Vermögenswerte, etwa Immobilien, beliehen werden, so dass es möglich war, den Gegenwert in Liquidität umzuwandeln und ein Verkauf zur Beschaffung der Liquidität nicht notwendig war.

Jedoch erweiterten die Banken ab den 60er- und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ihr Geschäftsmodell immer mehr dahin, dem Kunden auch Geld zur Verfügung zu stellen, das er nicht hatte und für das es auch keinen Gegenwert im Vermögen gab, sondern erst in der Zukunft besorgen musste. Dem Kunden wurden deshalb Kredite auf die persönliche Bonität eingeräumt, weil man dem Kunden vertraute, dass er in Zukunft das zur Rückzahlung notwendige Geld wird beschaffen können. Da nunmehr bereits die Liquidität zur Verfügung stand, die erst künftig erarbeitet werden musste, kam es zu einer vermehrten Geldschöpfung. Dieses System der Geldschöpfung wurde immer weiter ausgebaut und zuletzt brachen insbesondere in den USA die letzten Dämme, indem den so genannten Ninas ("no income, no assets", also Personen mit keinem Einkommen und keinem Vermögen) in erheblichem Maße Liquidität zur Verfügung gestellt wurde. Diese Liquidität floss in vergängliche Vermögenswerte wie Konsumgüter und in Immobilienwerte, die nicht real bestanden, sondern nur im Wege einer Spekulationsblase aufbebläht wurden.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte Geld mit Gold nichts mehr zu tun.