Was ist die Aussage des folgenden Zitats?

Aus Schaden wird man klug.

Deutsches Sprichwort

Mit diesem Spruch wird die Bedeutung des negativen Wissens angesprochen. Negatives Wissen ist das Wissen, wie es nicht geht. Vielfach ist das negative Wissen wichtiger als das positive Wissen, denn wenn man was tut, obwohl man meint, das Richtige zu tun und dann feststellt, dass es das Falsche war, bleibt dieses Verhalten viel stärker mental behaftet als das positive Wissen. Beim positiven Wissen fehlt der Aha-Effekt.

Wir kennen das aus der Kindheit. Die Mutter sagt zum kleinen Kind „lang nicht auf die Herdplatte, die ist heiß und du verbrennst die dabei die Finger.“ Das kleine Kind speichert dies mental, handelt aber nicht danach, weil es die Bedeutung nicht kongnitiv einordnen kann. Es langt auf die heiße Herdplatte und verbrennt sich die Finger. Erst jetzt tritt der Lerneffekt ein und das kleine
Kind wird künftig nicht mehr auf die heiße Herdplatte langen.

Ganz generell entsteht so das Lernen. Die einzelnen Handlungsstrategien sind bei den kleinen Kindern noch nicht als Handlungsstränge gespeichert. Die Speicherung erfolgt nur durch Trial and error, also durch Versuch und Irrtum. Die einzelnen Handlungsoptionen werden so oft versucht und verworfen, bis die Handlungsoptionen so optimiert sind, dass sie dauerhaft als Handlungsroutine für solche Handlungsgelegenheiten abgespeichert werden. Das bedeutet, dass das negative Wissen, der „error“, eine wesentliche Rolle bei der Suche nach den besten Handlungsoptionen spielt.

Bei der Unternehmensführung ist es nicht anders. Das Unternehmen ist eine ebenso komplexe Einheit und muss lernen. Wichtig ist deshalb, das Wissen der Mitarbeiter in die Struktur eines lernenden Unternehmens zu integrieren. Besonders wichtig ist es daher, auch das negative Wissen zu aktivieren, denn viele Mitarbeiter erleben oftmals tagtäglich mit, dass das, wie sie es machen sollen nicht funktioniert. Sie sagen dies entrüstet ihren Arbeitskollegen und wundern sich über die Blindheit der Unternehmensführung. Damit entsteht immer wieder neuer Schaden, weil dieses negative Wissen dort verbleibt, wo es entsteht, und keine Änderung verbunden ist, weil die Unternehmensstruktur kein
besonders qualitatives Wissensmanagement betreibt. Eine fehlerhafte Organisation des Unternehmens bewirkt somit, dass der „error“ als Lerneffekt
nicht genutzt werden kann. Dies wäre beim Beispiel der Kognition so, dass infolge einer Krankheit nur der trial, nicht aber der error wirkt. Auf Dauer würde der Mensch fehlerhaftes Verhalten ansammeln und dies nicht merken. Eine lange Überlebensdauer hätte der Organismus dann sicherlich nicht.

Deshalb müsste der Spruch für die Unternehmensführung heißen: „Aus Schaden wird das Unternehmen klug, wenn es eine Struktur hat, das das negative Wissen seiner Mitarbeiter und damit die Irrtümer des Unternehmens unmittelbar und zügig bis zu den Entscheidungsträgern transportiert.“ Oder kürzer und prägnanter: „Aus Schaden wird das Unternehmen klug“, denn erst wenn Schaden entsteht werden dann die Ursache recherchiert und der Planungs- und Entscheidungsprozess im Unternehmen verbessert.