Was ist die Aussage des folgenden Zitats?

Nach jedem Oben wurde ich ein Anderer. Unten

Reinhard Karl

Reinhard Karl ist ein bekannter Höhenbergsteiger. Er will mit seinem Spruch zum Ausdruck bringen, dass ihm seine Erfahrungen und Erlebnisse auf großen Höhen vor allem viel Positives für sein alltägliches Leben außerhalb der Bergwelt gebracht haben.

Für den Unternehmer bedeutet dies, dass er sein tägliches Leben und Dasein immer wieder von der Höhe und der Stille aus betrachten sollte. Die Höhe kann dabei ebenso wie bei einem Höhenbergsteiger die Sicht von einem hohen Berg sein. Höhe kann aber auch bedeuten, dass man sich auf der Höhe eines Erfolges den Dingen bewusst macht, die “da unten” passieren.

Besonders wichtig ist, dass man nicht nur von oben betrachtet, sondern auch aus der Stille sieht. Wer in das hektische Tagesgeschäft eingebunden ist, kann auch dann keine positiven Erkenntnisse erreichen, wenn er von der höchsten Etage eines Büroturms herunterschaut.

Verloren hat, wert “abhebt” und damit den Bodenkontakt verliert. Solche Personen werden zwangsläufig im Leben scheitern. Diejenigen, die wirklich erfolgreich in ihrem Leben sein möchten, können dies nur erreichen, indem sie sich immer wieder diese unterschiedlichen Perspektiven “oben” und “unten” bewusst machen. Sie werden dann zwangsläufig über die Sinnfrage im Leben feststellen, dass sie immer weniger definieren können, was oben und was unten ist. Ist ein erfolgreicher Unternehmensführer, der alles Berufliche geschafft hat, wie einen bedeutenden Job an der Spitze eines Unternehmens oder einer Organisation – verbunden mit sehr viel Geld, das ihm dieser Job einbringt – oben oder unten? Ist ein Mitarbeiter im unteren Bereich der unternehmerischen Organisation, der sich um Familie und Freunde kümmert und gerade mal so viel verdient, dass es für ein durchschnittliches Auskommen reicht, unten oder oben?

Es gibt viele Beispiele scheinbar sehr erfolgreicher Unternehmer, Leiter mächtiger Institutionen und Politiker, die es nach ganz oben geschafft haben, aber dann jäh gefallen sind, weil sie den Kontakt zu den wirklich wichtigen Dingen im Leben verloren haben. Viele dieser jähen Abstürze kulminieren sich dann im schändlichen Umgang mit Menschen, denen sie sich überlegen fühlen. Ihre Arroganz wird ihnen dann zum Verhängnis, weil sie das vermeintlich “unten” nicht mehr spüren, sondern nur noch in dem vermeintlich “oben” leben. Oder sie verletzen die Urheberrechte anderer, um sich auf schnelle Weise durch den Diebstahl geistigen Eigentums mit einem für sie offensichtich wichtigen Doktor-Titel auf Kosten anderer schmücken zu können, der ihrer Arroganz und ihrem “oben” noch mehr Auftrieb verleihen soll.

Spätestens dann, wenn die Gesellschafter oder der Aufsichtsrat den Anstellungsvertrag eines Geschäftsführers bzw. Vorstands vorzeitig beenden wollen stellen sich für die Betroffenen diese Fragen. Denn sie dachten stets, sie seien oben und die beabsichtigte Trennung zeigt ihnen, dass sie vielleicht doch nicht oben sind.