Europa und Euro - neue Chancen für
mittelständische Unternehmen
Unser Kommentar
Die Förderung junger und
mittelständischer innovationsfreudiger Unternehmen war und ist in Deutschland und im
übrigen Europa nur mäßig ausgeprägt. Die Weichen für eine verstärkte Förderung sind
aber bereits gestellt, wenngleich infolge der Trägheit der Politik die Umsetzung der
neuen Erkenntnis nur in einer atemberaubenden Langsamkeit voranschreitet.
In den USA haben - wie hier
- seit einigen Jahren die Großunternehmen ein breites Programm zur Erreichung einer
höheren Spannkraft durchgeführt und dabei - ebenfalls wie hier - viele Tausende von
Arbeitnehmer freigesetzt. Anders als hier schufen dort die kleinen und mittleren und
innovationsfreudigen Unternehmen, die im Technologie-Index der Nasdaq notiert sind, eine
wesentlich höhere Anzahl an Arbeitsplätzen, als die Großindustrie freisetzte. Die
Arbeitslosenquote sank daher kräftig. Deregulierung, Privatisierung und neue Technologien
waren der Schlüssel zum Erfolg.
Die deutsche und
europäische Politik haben auch für hier erkannt, dass die Schaffung neuer Arbeitsplätze
und Reduzierung der Arbeitslosenzahl nur über innovationsfreudige kleinere und mittlere
Unternehmen erfolgen kann. Denen fehlt aber in der Regel das hierzu notwendige Kapital. Da
die Banken äußerst risikoscheu sind, haben kleinere und mittlere Unternehmen meist von
vorne herein nicht die Möglichkeit zur Expansion. Sie müssen im Provinziellen stecken
bleiben. Die Diskussion um Basel II verstärkt nur noch die Zurückhaltung der
Banken bei der Finanzierung kleinerer und mittlerer Unternehmen.
Da der heimische Markt, vor
allem bedingt durch den Euro, vorrangig nunmehr ein europäischer ist, bedeutet dies für
expansionswillige Unternehmen, dass ihr Finanzbedarf um so größer wird und die Frage der
Finanzierung umso schwerer zu beantworten ist.
Hier setzt die europäische Politik an und
ahmt das Beispiel der Nasdaq nach. Neue Börsen für mittelständische Unternehmen
entstehen. Die Gründung von Börsen wie der Easdaq oder dem Neuen Markt haben erhebliche Potentiale zur Finanzierung der Geschäftsideen vermittelt. Die
Übertreibungen in den Jahren 2000 und 2001 haben zwar zu einer ernsten Krise dieser
Börsen geführt. Sobald aber diese Börsen ihre Glaubwürdigkeit wieder hergestellt
haben, wird die Finanzierung innovativer Unternehmen über den Kapitalmarkt wieder
einsetzen.
Vor allem für Risikokapital war und ist
der Kapitalmarkt in Europa bislang vollständig ineffizient. Die europäischen Börsen
haben einen großen Nachholbedarf. So betrug, wenn man auf die Zeit vor
der Entstehung der Spekulationsblase abstellt, Ende 1997 in den USA der Börsenwert
der notierten Unternehmen 129 % des Bruttosozialprodukts, in der Europäischen Union lagt diese Kennzahl bei lediglich 44 %. Im Sog der steigenden weltweiten
Beachtung des europäischen Börsenmarktes und der Weichenstellung einer verstärkten
Förderung mittelständischer Unternehmen insbesondere über die Easdaq werden solche
Unternehmen in Zukunft verbesserte Möglichkeiten zur Finanzierung ihrer Geschäftsideen
haben. In den Köpfen von Politik und europäischen Finanzmärkten gehen grundlegende
Veränderungen vor sich: Bei der Finanzierung mittelständischer Unternehmen wird immer
weniger nach dem Immobilienvermögen, sondern mehr nach der Qualität der Geschäftsidee
und des Managements gefragt.
Nachfolgend werden einige Aspekte
dargestellt, warum Wirtschaft und Kapitalmarkt von diesen Entwicklungen profitieren
werden.
Inflationsrate
Die Inflationsrate ist in
Europa historisch gesehen sehr niedrig. Es sind keine Zeichen erkennbar, dass die
Inflation in absehbarer Zeit auf frühere Höhen steigen wird. Die Arbeitslosigkeit ist
hoch und wird noch eine längere Zeit hoch bleiben. Dadurch kommt von dieser Seite kein
Druck auf die Lohnkosten und damit auf die Preise. Durch die Globalisierung
und Osterweiterung kommt es eher zu einem Rückgang bei den Löhnen und
Preisen.
Die Rationalisierungen in
der Wirtschaft gehen unvermindert weiter. Nach den großen Rationalisierungsanstrengungen
und -erfolgen des produzierenden Gewerbes ab den 80er-Jahren erreicht heute die
Dienstleistungsbranche eine Welle der Rationalisierungen. Damit können die Unternehmen
die Gewinnerzielung weiterhin durch Reduzierung der Kosten erzielen. Eine Erhöhung der
Preise ist hierfür, wie in der vergangenen Zeit, nicht erforderlich.
Zinsen
Die Zinsen sind auf einem historisch niedrigen Stand.
Große Investitionen der Unternehmen oder des Staates sind nicht zu
erwarten. Und die Konsumenten sind ohnehin vielfach wirtschaftlich marode
und bekommen keine weiteren Kredite. Allein in Deutschland sind mehr als 3 Mio Haushalte überschuldet.
Infolge der hohen
Arbeitslosigkeit wird die Sparrate der Bevölkerung hoch bleiben, um Reserven für
Eventualfälle zu haben. Da der Umbau der sozialen Netze weiter voranschreiten wird, wird
die Bevölkerung verstärkt auf eine zusätzliche Eigenversorgung setzen. Solche Gelder
fließen in den Kapitalmarkt.
Und auch die Europäische
Zentralbank entwickelt sich von der Euro-Bundesbank zur Euro-Fed
und verteidigt als Wächter der Inflation vor allem weiterhin
niedrige Inflationsraten, zumal die Europäische Zentralbank erst einmal um die
Anerkennung im eigenen Lande, der EU, kämpfen muss.
Sanierung der
Staatshaushalte
Die Sanierung der
Staatshaushalte schreitet voran. Mehr Markt und weniger Staat wird damit einhergehen. Die
Ineffizienz staatlichen Handelns wird zumindest teilweise der Effizienz der Unternehmen
weichen. Der Ruf nach dem Staat als derjenige, der Maßnahmen zu ergreifen hat, wird
geringer werden. Die lang anhaltende restriktive Haushaltspolitik in den europäischen
Staaten zur Erreichung der Maastrich-Kriterien haben zu einer Bewusstseinsänderung
geführt. Auch im Netz der sozialen Sicherung haben sich bereits grundlegende Veränderungen
ergeben und dies wird noch weiter voranschreiten. Insbesondere wird es zur Lockerung und zu einer Bewusstseinsänderung
in der breiten Bevölkerung führen. Im Bewusstsein macht sich immer mehr das
Prinzip der Eigeninitiative und der Eigenvorsorge breit. Der Ruf nach dem
Sozialstaat, der in den 70er Jahren seinen Höhepunkt erreichte, wird weiter
verhallen.
Europäischer Binnenmarkt
Die Europäische Union wird
zum größten Binnenmarkt der Welt werden. Die Nähe zu den viel versprechenden
Wachstumsregionen Osteuropas, die nunmehr zur EU gehören, wird der Europäischen Union
weitere enorme Kostenvorteile bei der
Produktion bescheren. So verdankt Japan sein langjähriges Wirtschaftswachstum in
erheblichem Umfange der Nähe und der Anbindung der sog. kleinen Tigerstaaten. Die
osteuropäischen Länder sichern der Produktion in der Europäischen Union weiterhin
kostengünstige Bedingungen. Durch das damit bedingte Wirtschaftswachstum in den
osteuropäischen Staaten werden diese zudem ihre Kaufkraft steigern und zunehmend in der
Europäischen Union investieren.
Europäischer Aktienmarkt
Der europäische
Aktienmarkt wird weltweit der zweitgrößte nach der US-Börse sein und damit auch in
erheblichem Umfange internationales Kapital nach Europa ziehen. Die europäischen Börsen
haben einen großen Nachholbedarf. So betrug wie gesagt, Ende 1997 in
den USA der Börsenwert der notierten Unternehmen 129 % des
Bruttosozialprodukts, in der Europäischen Union liegt diese Kennzahl bei
lediglich 44 %.
Private Altersversorgung
Auch für die private
Altersversorgung gewinnt die Aktie immer mehr an Bedeutung. Je länger die
Niedrigzinsphase anhält, desto mehr rückt die Anlage von Kapital in Aktien in das
Bewusstsein der Anleger. Auch immer wieder kehrende Turbulenzen an den
Börsen werden daran nichts ändern.
Ausreichende Renditen lassen sich nicht mehr durch Anleihen, sondern nur durch Aktien
erwirtschaften, soweit man nicht am Höhepunkt einer Spekulationsblase
einsteigt. Wie in den USA bereits seit langem üblich, werden auch hier
Pensionsfonds geschaffen, die erhebliche Mengen an Aktien für die Altersversorgung der
Bevölkerung einkaufen werden.
Bildungsniveau
Das Bildungsniveau in
Europa wird nur in wenigen Teilen der Welt erreicht. Das Humankapital ist nicht nur das
entscheidende Kapital eines Unternehmens, sondern auch eines Staates und einer Region.
Durch Wissen entstehen neue Produkte, Erfindungen und Anwendungen. Durch Wissen entsteht
soziale Intelligenz, die für Ruhe, Optimismus und Weitsicht sorgt und Erschütterungen,
wie Kriege, Unruhen oder Wirtschaftkrisen vermeidet. Wissen führt auch zum Verständnis
für falsche Wege.
Kulturelle Ressourcen
Europa verfügt über
vielfältige kulturelle Ressourcen, z.B. die deutsche Produktionstechnologie, das
italienische Design, die französischen Luxusgüter und das einflussreiche Finanzzentrum
in London. Die unterschiedlichen Kulturen Europas bieten die beste Basis für ein lang anhaltendes und hohes Wachstum. Der ständige Wettkampf der Kulturen
wird immer neue Produkte herausbringen, die im internationalen Markt ihre Nachfrage
finden.
Mehr Markt und weniger
Staat
Mehr Markt und weniger Staat setzt enormes
Wachstumspotential frei. In einem solchen Klima wachsen neue Kräfte, die neue
Investitionen, neue Unternehmen und neue Ideen stimulieren.
Lohnnebenkosten
Die Lohnnebenkosten in den
USA waren und sind im internationalen Vergleich sehr niedrig und verstopften dadurch nicht
die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. In den USA lag die Quote der Lohnnebenkosten zu
den gesamten Arbeitskosten Ende 1997 bei nur 28 %. In Deutschland waren es zu dieser Zeit
um die Hälfte mehr. Sie lag bei 42 %. In Frankreich ist diese Quote allerdings mit 45 %
und in Italien mit sogar 50 % noch wesentlich höher als in Deutschland. Aber die
Europäische Union und die Einführung des Euro haben auch dort zu einem Umdenken
geführt.
Kapazitätsauslastung
Die Unternehmen verfügen
nach langen Phasen der Rationalisierung, Freisetzung von Arbeitnehmern und Reduzierung auf
die Kernkompetenzen über eine hohe Kapazitätsauslastung. Sie werden in ihren
Bestrebungen, sich auf das angestammte Kerngeschäft zu konzentrieren, fortfahren und alle
anderen Bereiche outsourcen, - eine Chance für kleine und mittlere Unternehmen.
Geld- und Fiskalpolitik
Die Politik der einzelnen
europäischen Staaten wird sich mehr der Ruhigstellung der Kräfte widmen, die nach dem
Staat rufen und Investitionen in Infrastrukturen, Sozialsysteme und Förderungen der
Wirtschaft fordern. Die Geld- und Fiskalpolitik wird einen Mittelweg gehen. Sie wird am
Geist der Maastrich-Kriterien festhalten, aber um eine erhöhte Liquiditätsversorgung von
Wirtschaft und Staat besorgt sein. Dies bedingt größere Spielräume für die Umsetzung
unternehmerischer Ideen.
Risikokapital
Die Gründung von Börsen für junge Unternehmen werden, wenn
die früheren Turbulenzen in 1999 bis 2001 völlig abgeklungen sind, weiterhin erhebliche Potentiale zur Finanzierung
der Geschäftsideen vermitteln. Vor allem für Risikokapital war der Kapitalmarkt in
Europa bislang vollständig ineffizient. Durch den Wegfall der Wechselkursrisiken werden
kleinere und mittlere Unternehmen verstärkt grenzüberschreitend tätig werden.
Förderung kleiner und
mittlerer Unternehmen
Diese Förderung der jungen
und mittelständigen innovationsfreudigen Unternehmen fehlte bislang in Deutschland und im
übrigen Europa. Die Weichen hierfür sind aber bereits gesetzt, wenngleich infolge der
Trägheit der Politik in einer atemberaubenden Langsamkeit.
So haben auch in den USA
die Großunternehmen ein breites Programm zu Erreichung einer höheren Spannkraft
durchgeführt und dabei viele Tausende von Arbeitnehmer freigesetzt. Jedoch schufen dort
die kleinen und mittleren und innovationsfreudigen Unternehmen, die im Technologie-Index
der Nasdaq notiert waren, eine wesentlich höhere Anzahl von Arbeitsplätzen, als die
Großindustrie freisetzte. Die Arbeitslosenquote sank daher beträchtlich. Konkurrenz,
Deregulierung, Privatisierung und neue Technologien waren der Schlüssel zum Erfolg.
Noch weiter Weg zum Ziel
Der Weg zu einer besseren
Wirtschaft in Deutschland und der EU ist aber noch weit. Die Steuerreform ist immer noch
auf dem Weg der Verirrungen. Der Umbau der sozialen Sicherungssysteme ist erst noch im
Gange. Die Förderung junger Unternehmen und die Bereitstellung ausreichenden
Risikokapitals ist derzeit noch mehr ein Lippenbekenntnis. Aber die europäische
Wirtschaft wird zunehmend von der Gemeinschaft und immer weniger von den einzelnen Staaten
entschieden.
Aus dem klimatischen Tief
in die Sonne
All diese Arbeiten müssen aber noch
gemacht werden. Junge und innovative Unternehmen werden davon profitieren. Sie werden in
zunehmendem Maße begünstigt werden. Da ein innovatives Unternehmen aber eine hohe
Vorlaufzeit für Planung und Realisation benötigt, ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum
Einsteigen. Die Schlechtwetterperiode hält noch an, der Wetterbericht kündigt aber
bereits eine Besserung an. Junge Unternehmen fahren vom schlechten Wetter in die Sonne. |