| Was waren die fundamentalen Daten, die zum Absturz des Aktienmarktes
1929 führten und die Weltwirtschaftskrise einleiteten? Der Anstieg der
Aktienkurse vor allem seit 1926 war durch die hohe Produktivität der Unternehmen
geprägt, insbesondere bewirkt durch den rasanten technischen Fortschritt. Das
Aktienkursverhältnis lag sehr niedrig, und zwar im Durchschnitt nur bei etwa 24.
Die steilen Anstiege der Aktienkurse bewirkten in der breiten Bevölkerung, dass diese
mit billigen Krediten Aktien kauften, um nach Abzug der Kurssteigerungen und Dividenden
noch gute Renditen zu erzielen. Diese Käufe heizten die Kurssteigerungen um so mehr an.
Jedoch bewirkte die hohe Produktivität der Wirtschaft eine rasche Sättigung des
Marktes. Es kam zu Überkapazitäten. Der Markt war jedoch zu unelastisch, um diese
Überkapazitäten aufzufangen, denn ein Ausgleich der Überkapazitäten durch die
Ausweitung der Märkte war durch Handelschranken, insbesondere Zölle, nicht möglich.
Auch in der Landwirtschaft bauten sich zunehmend Überkapazitäten auf. Künstliche
Düngemittel hatten dafür gesorgt, dass die Ernten immer üppiger wurden. Da die
Landwirtschaft zu dieser Zeit noch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor aufwies, war der
Rückgang der Ertragskraft dieser Branche besonders bedeutend.
Die zunehmend aufgebauten Überkapazitäten drückten immer mehr auf die Gewinne. Und
da die Aktienkurse von den zukünftigen Gewinnen leben, fiel der wichtigste Motor weg, der
die Aktienkurse bis dahin auf ungeahnte Höhen gebracht hat.
Die Aktienmärkte konnten sich 1929 oder 1930 nicht wieder erholten und versanken immer
mehr und fast ins Bodenlose.
Die Renditen der Unternehmen kamen durch die starke Abkühlung der Wirtschaftsleistung
noch weiter unter Druck. Die Abwärtsspirale beschleunigte den Verfall der Gewinne und der
Gewinnerwartungen. Da im großen Maße zudem Aktienkäufe auf Kredit gekauft wurden,
wurden die Aktien, die bei den Banken als Sicherheit hinterlegt waren, notverkauft, was
den Aktienmarkt um so mehr mit Papieren überschwemmte.
Zinssenkungen und Steuerreduzierungen konnten die Abkühlung der Wirtschaft nicht
bremsen. Die Nachfrage blieb aus. Und da zum damaligen Zeitpunkt ein starrer Goldstandard
den Geldumlauf beherrschte bestand keine Möglichkeit, der Abkühlung der Wirtschaft durch
die Erhöhung des Geldumlaufs entgegenzuwirken.
|