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Der Weg zum Erfolg

Nicht nur die Geschäftsidee muss stimmen

Die erfolgreiche Umsetzung unternehmerischer Ideen verlangt eine Fülle an Fähigkeiten, Kenntnissen und Ressourcen. Eine unternehmerische Idee kann in der Vermarktung einer technischen Erfindung, eines fertigen Produkts oder einer Dienstleistung bestehen. Es kann sich um eine neue unternehmerische Betätigung handeln, die erst zur Gründung eines Unternehmens führt. Oder es kann auch um die Erweiterung eines bereits erfolgreichen Unternehmens, z.B. durch Erhöhung der Produktion oder des Absatzes, durch das Gewinnen neuer Märkte oder durch eine Erweiterung der Produktpalette gehen.

eine gute Geschäftsidee ist nicht alles

Viele Gründer glauben, es komme maßgeblich darauf an, dass die Geschäftsidee stimmt und man gute Kenntnisse der Situation am Markt, insbesondere der Wettbewerbssituation hat.

Dies ist oftmals ein tragischer Trugschluss, der nicht selten in die Insolvenz führt. Die Statistiken zeigen regelmäßig das gleiche Bild, dass vor allem junge Unternehmen in großer Anzahl in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens zusammenbrechen - mit allen schrecklichen wirtschaftlichen und sozialen Folgen für den Unternehmer und meist auch seiner Familie.

Zwar ist es von großer Bedeutung, dass die Geschäftsidee stimmt, aber dies allein genügt noch lange nicht. Eine gute Geschäftsidee ist nämlich nur ein Teil des Ganzen - und nicht einmal der größte Teil.

Märkte erfinden sich ständig neu

Bereits die Frage, was eine gute und was eine schlechte Geschäftsidee ist, kann kaum beantwortet werden. Denn alles ist in Bewegung und auch die Märkte erfinden sich ständig neu. Es gibt zahlreiche Beispiele, wie allgemein als gut bezeichnete Geschäftsideen scheitern. Es gibt aber auch zahlreiche Beispiele, wie oftmals anfangs belächelte Geschäftsideen zum großen Erfolg führen. Man muss schon fast paranoid sein - wie der Begründer von Intel sagt -, um die entscheidenden Wendepunkte für das unternehmerische Handeln erkennen zu können.

So war - um ein besonders einprägsames Beispiel anzuführen - die Geschäftsidee von Bill Gates, der auf Personalcomputer gesetzt hat, anfangs belächelt worden. Andernfalls hätte IBM mit seinen gewaltigen Ressourcen an Unternehmensplanern und Vordenkern auch, zumindest in einem Nebenzweig, auf dieses Marktsegment gesetzt. Gleiches gilt für Intel, das den Übergang vom Herstellen von Computern und seiner Komponenten in einer Hand zum Herstellen nur von Komponenten des Computers, egal welcher Baureihe, erkannt und umgesetzt hat.

Entscheidend sind die Fähigkeiten der

Unternehmensführung

Neben einer guten Geschäftsidee ist für den Erfolg des Unternehmens entscheidend, über welche Kenntnisse und Fähigkeiten ein Unternehmensführer verfügt. Es gibt im Handel den altbekannten Spruch, dass ein Schuhverkäufer auch Kühlschränke oder Flugzeuge verkaufen kann. Hinter diesem Spruch steckt die Erkenntnis, dass das Konzept für ein erfolgreiches Verkaufen immer das gleiche ist, egal ob man Schuhe oder Kühlschränke oder Flugzeuge verkauft.

Der erfolgreiche Unternehmer muss also wesentlich mehr als sein Produkt oder seine Geschäftsidee beherrschen. Hierzu gehören insbesondere Fähigkeiten des Marketing, nämlich wie man vor allem in unserer mit Daten überfluteten Gesellschaft die Aufmerksamkeit der Kunden ergattern kann. Man muss sich bewusst sein, dass das knappe Gut nicht die Information an die Kunden, sondern die Aufmerksamkeit des Kunden für das Produkt ist.

Das knappe Gut ist die Aufmerksamkeit des Kunden

Wie erhalte ich also den Zugang zum Kunden, der von zahlreichen Informationen regelrecht überschüttet wird?

Wie erhalte ich also die nötige Aufmerksamkeit in unserer Aufmerksamkeitsgesellschaft? Wie plane ich die Erreichung eines bestimmten Maßes an Aufmerksamkeit? Was kostet mich ein bestimmtes Maß an Aufmerksamkeit? Und rechnet sich die Aktivität zur Erreichung eines bestimmten Potentials an Aufmerksamkeit noch?

All dies sind Fragen, die der Unternehmer selbst stellen und beantworten muss. Beantwortet er die Frage falsch, werden knappe Ressourcen, insbesondere Finanzmittel fehlgeleitet, die dann anderweitig fehlen.

Der Unternehmer ist Moderator, Motivator und

Stimulator

Der Unternehmer muß vor allem auch hervorragende Fähigkeiten in der Menschenführung haben. Ich spreche hier nicht von einem Einzelunternehmer, der beispielsweise seinen Lebensunterhalt durch den Betrieb eines Kiosks bestreiten möchte oder einen kleinen Handwerker, der seine Familie in den familiären Betrieb einbindet. Ich spreche hier von einem Unternehmer, der eine Geschäftsidee in weit größerem Maße verwirklichen möchte. Dieser wird zwangsläufig auf eine größere oder gar große Anzahl von Arbeitnehmern angewiesen sein, die alle ganz unterschiedliche Charaktere, unterschiedliche Ziele und Motivationen und meist auch ganz unterschiedliche Grundstrukturen ihres Verständnisses der Zusammenlebens und Zusammenarbeitens aufweisen. Je multikultureller unsere Gesellschaft durch die Globalisierung wird, desto heterogener wird auch die Belegschaft eines Unternehmens.

Dem Unternehmer wird aber auch die vollständige Kontrolle über das Arbeitsergebnis in der Regel gar nicht mehr möglich sein. Denn der Unternehmer kann nicht alles wissen. In unserer komplexen und immer komplexer werdenden Welt hängt aber die Qualität des Endergebnisses maßgeblich davon ab, dass sich alle Teile, aus denen sich das Produkt zusammensetzen, zu einem Ganzen zusammenfügen, das in der Einheit als vollständig gelungen angesehen wird.

Der Unternehmer ist nicht nur Führungskraft. Er ist Moderator, Motivator und Stimulator. So hängt der Erfolg einer Fußballmannschaft zu einem ganz entscheidenden Maße von dem Geschick des Kapitäns und Trainers ab, die einzelnen Spieler auf das gemeinsame Ziel des Sieges über die Konkurrenz, nämlich die andere Fußballmannschaft einzustimmen. Dabei ist ein gutes Geschick für Fußballspiel eine selbstverständliche Grundvoraussetzung des Spielers.

Jeder Anschlag am Keyboard, jede Taste muss sich ähnlich wie bei einem Klavierakkord zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen, das der Außenstehende, nämlich der Hörer, nur noch als Ganzes wahrnimmt. Es gibt dann nur Harmonien und Disharmonien eines komplexen Ganzens.

Der Unternehmer muss also mit dieser Ausgangslage umgehen können. Dabei ist er selbst nur Mensch, mit all seinen Schwächen und Stärken. Er muss es verstehen, seine eigenen Schwächen, seine eigenen psychologischen Altlasten zu erkennen und so weit als möglich zu minimieren, um seine Mannschaft auf das gemeinsame Ziel einstimmen zu können. Jeder falsche Anschlag am Klavier bringt Misstöne hervor und beeinträchtigt das Gesamtergebnis.

Vor allem muss der Unternehmer erkennen, dass der Mensch und die Methoden der Personalführung im wesentlichen immer gleichbleibend sind. Hat man die Fähigkeit, ein Team auf eine Geschäftsidee einstimmen, also motivieren zu können, dann ist es nur noch zweitrangig, um welche Geschäftsidee es sich handelt, ob also der Verkäufer, der das Geheimnis des Verkaufens gelüftet hat, nun Schuhe, Kühlschränke, Computer, Flugzeuge oder Schönheit in Form von Kosmetika verkauft.

Andererseits hat die beste Geschäftsidee keine Chance, wenn man nicht über die Kenntnisse und Erfahrungen der Menschenführung verfügt, denn wer soll sonst diese Geschäftsidee umsetzen?

Das Unternehmen - eine Hochkomplexe Einheit

Aber hervorragende Kenntnisse im Marketing und in der Personalführung genügen noch immer nicht, einer Geschäftsidee zum Durchbruch zu verhelfen. Der Unternehmer muss die Organisation seiner Einheit optimal konfigurieren. Er muss sein Unternehmen als biologische oder ökologische Einheit verstehen, bei der das Endergebnis nur ein Zusammenspiel zahlreicher kleiner Einheiten ist, die hochvernetzt sind und sich optimal in den Prozess der Einheit einfügen. Ein Athlet kann große Leistungen auch nur erbringen, wenn sich seine gesamten biologischen Einheiten auf das gemeinsame Ziel, z.B. eines Marathonlaufs in Rekordzeit, einstimmen. Zunächst muss sich der eigene Geist auf den totalen Sieg programmieren. Dieser Winning-Spirit muss so stark sein, dass das Leiden bei der Dauerbelastung nicht mehr als unannehmbare Belastung verspürt wird. Die Muskeln müssen eine optimales Verhältnis zwischen Kraft, Ausdauer und Gewicht aufweisen. Das Herz-Kreislauf-System muss so leistungsfähig sein, daß es die Rohstoffe für die Energieerzeugung, z.B. den Sauerstoff, in der erforderlichen Menge zum richtigen Zeitpunkt zum richtigen Ort transportiert. Das Kommunikationssystem zwischen der Hyperphyse und der Nebennierdenrinde muss optimal konfiguriert sein. Das Kapilarsystem muss maximale Transportwege vorhalten und solche Transportwege bis in die Hinterhöfe, also in alle hinteren Ecken der Muskeln errichten.

Planung und Durchsetzung einer solchen optimalen Organisation seines Unternehmens ist Aufgabe des Unternehmers. Ist er nachlässig, wird er an keinem Marathonlauf erfolgreich teilnehmen können, er wird nicht oder zu spät am Ziel ankommen.

Fremdfinanzierung als Risikogeschäft

Aber noch immer nicht kann das Unternehmen mit all diesen Voraussetzungen sein Ziel erreichen. Es braucht die Stoffe, die im Unternehmen umlaufen müssen. Hierzu gehören Rohstoffe, Energien und vor allem Kapital, und dies meist in beträchtlichem Maße.

Die Finanzierung einer unternehmerischen Idee stellt vor allem den jungen Unternehmer meist vor große und oftmals unüberwindliche Hindernisse. Die Bankgespräche zeigen ihm, daß der Unternehmer in Deutschland meist erst eine große Portion an Kapital mitbringen muß, damit er dieses beleihen und in Form von Krediten auszahlen lassen kann. Da aber junge Unternehmer in der Regel nicht über solche Kapitalien verfügt, kann er die unternehmerische Idee auch nicht durch Kredite finanzieren.

Mit entsprechendem Aufwand ist es dem jungen Unternehmer oftmals möglich, vor allem, wenn er noch staatliche Förderprogramme zur weiteren Unterstützung der Finanzierung erschließen kann, die Finanzierung seiner unternehmerischen Idee durch Bankdarlehen zu beschaffen.

Der junge Unternehmer sollte hierbei aber äußerst bedacht vorgehen und sich des ganz erheblichen Risikos einer Bankenfinanzierung seiner unternehmerischen Idee bewußt sein. Er sollte lieber seine unternehmerische Idee aufgeben, als Ehefrau, Kinder und Großmutter zu verpfänden, nämlich zu Bürgen zu machen, wie es in der Regel von den Banken verlangt wird.

Denn der oft zu hörende Spruch, dass die Banken bei Sonnenschein Regenschirme verleihen, die sie bei nahendem Regen einsammeln, ist leider Realität. Da aber zur Natur der Sonnenschein genauso dazugehört wie Regen, Wind, Sturm und Schnee, wird der Unternehmer zwangsläufig auch diese Schlechtwetterperioden durchmachen müssen. Wenn er hier verletzlich ist, ist er schnell wirtschaftlich ruiniert - und mit ihm zusammen seine verpfändeten Gefolgsleute, wie Ehefrau, Kinder und Großmutter.

Die Finanzierung einer unternehmerischen Idee kann also nur begleitend über eine Bankenfinanzierung erfolgen.

Der Aktionär als teurer, aber guter Partner

Im Vordergrund der Finanzierung des Unternehmens muss die Eigenkapitalfinanzierung stehen. Wenn der Unternehmer über dieses Eigenkapital selbst verfügt, ist er fein heraussen. In der Regel verfügt er hierüber aber nicht.

Die Finanzierung der geschäftlichen Idee kann auch in der Weise erfolgen, daß er einen Partner in das Unternehmen aufnimmt, der über das fehlende Eigenkapital verfügt. Vor einer solchen Aufnahme eines Partners kann aber nur gewarnt werden, wenn es sich nicht um einen bereits langjährigen Geschäftskontakt oder noch besser persönlichen Kontakt zu dieser Person handelt. Mit einem unternehmerischen Partner ist man tagtäglich zusammen und finanziell und wirtschaftlich schicksalsmäßig verbunden. Streitigkeiten zwischen Gesellschaftern führen oftmals zum Zusammenbruch des Unternehmens selbst. Meist geht diesem ein Schmierentheater und eine Schlammschlacht in größter und widerlichster Dimension voraus.

Der bessere Weg ist hier, die Finanzierung des Unternehmens auf eine Vielzahl von Kapitalanlegern aufzubauen, die über den Kapitalmarkt akquiriert werden. Das Unternehmen wird dabei am besten in Form einer Aktiengesellschaft organisiert. Die Kapitalanleger werden Aktionäre und können ihre Aktien zu jeder Zeit frei verkaufen. Die Mitspracherechte der Aktionäre beschränken sich auf die Hauptversammlung. Sie wählen den Aufsichtsrat, der den Vorstand überwacht und berät.

Das Unternehmen ist durch die Aktionäre sicher finanziert und hat auch nicht die bei einer Fremdfinanzierung auch in schlechten Zeiten unverändert weiterlaufenden Zinsen zu tragen. Da sich eine begleitende Bankfinanzierung auf einem allenfalls niedrigem Level befindet, brauchen in Krisenzeiten auch nicht aufwendige und zermürbende Bankverhandlungen stattfinden. Oftmals brechen Unternehmen mit zu hoher Bankfinanzierung schon deshalb zusammen, weil sie in den Zeiten schlechter Wirtschaftslage, in denen die Unternehmer ihre Anstrengungen zur Verbesserung der Situation des Unternehmens erhöhen müssten, von den Bankverhandlungen und den hierfür vorzubereitenden Tätigkeiten nahezu aufgefressen werden und sich nur noch in vermindertem Maße für die Verbesserung der Lage des Unternehmens einsetzen können.

Außerdem haben zu hohe Bankfinanzierungen an sich, dass in schlechten wirtschaftlichen Zeiten die Kosten der Bankfinanzierung durch erhebliche Erhöhung der Zinsen schnell steigen und damit die wirtschaftliche Lage des Unternehmens noch mehr verschlechtern. Denn bei Überziehungen der Betriebsmittelkonten kommen noch ganz erhebliche Überziehungszinsen hinzu. Außerdem werden auslaufende Kredite, wenn überhaupt, zu schlechteren Konditionen verlängert, weil ein höherer Risikoanteil in den Zinssatz einkalkuliert wird. Kommt ein Unternehmen in ein schwierigeres Fahrwasser, dann geht es diesem wie einem Bergsteiger, der sich mit einem kräftigen Partner zu einer weiten Bergtour anschickt. Wenn der schwächere Bergsteiger - der Unternehmer - Schwächen zeigt und eine Verschnaufpause und zumindest eine Entlastung bräuchte, greift der stärkere Partner - die Bank - diese Situation auf und legt dem schwächeren Partner Steine in den Rucksack und hält ihn zu einer schnelleren Gangart an. Eine verrückte Welt! - aber so ist sie.

 Dividende versus Zinsen

Natürlich verspricht sich auch der Aktionär einen Vorteil. Geht es dem Unternehmen gut, verlangt er nach einer hohen Dividende. Aus Sicht des erfolgreichen Unternehmens ist die zu zahlende Dividende höher, als wenn es anstatt Dividenden Zinsen zahlen müsste. Vergleicht man aber aus Sicht dieses Unternehmens Vorteile und Nachteile einer Finanzierung über Aktienkapital anstatt über Bankdarlehen, dann sind die Vorteile im Saldo auf lange Zeit gesehen immer größer als die Nachteile. Denn den gegenüber Zinsen erhöhten Zahlungen an Dividenden in guten Zeiten steht die Sicherheit des Bestands des Unternehmens in schlechten Zeiten gegenüber. Der Schaden bei einem Zusammenbruch des Unternehmens ist ungleich höher als der Nachteil erhöhter Dividendenzahlungen, die letztlich eine Versicherungsprämie für den Bestand des Unternehmens darstellen.

Gemeinsamens Interesse am Unternehmenserfolg

Die Aktionäre versprechen sich aber noch einen weiteren Vorteil, nämlich Wertsteigerungen des Kurses ihrer Aktien. Dies ist aber für das Unternehmen nicht schädlich. Ganz im Gegenteil: Im Falle einer Kapitalerhöhung, lässt sich neues Kapital mit einem ganz erheblichen Agio emittieren.

Außerdem ist es aus Sicht des erfolgreichen Unternehmensgründers finanziell besser, wenn er einen Anteil von beispielsweise "nur" 40 % an dem Unternehmen hat, das eine zehnfache Größe aufweist, wie ein Unternehmen, an dem er zu 100 % beteiligt ist, das aber mangels entsprechenden Kapitals nur über eine geringe Leistungsfähigkeit verfügt.

Vor allem ein wesentlicher Punkt bei der Gründung innovativer und leistungsfähiger Unternehmen wird meist übersehen. Die Geschäftsidee verlangt oftmals nicht nur eine Vorfinanzierung großer Vorlaufkosten, sondern es wird auch eine lange Zeitdauer vergehen, bis das Unternehmen in die Gewinnphase kommt. Will z.B. ein Unternehmen für ein innovatives Produkt eine Marke aufbauen, dann sind nicht selten zweistellige Millionenbeträge zu veranschlagen, bis dieses Produkt allein auf dem deutschen Markt zum Selbstläufer wird. Dies alles wird auch eine Zeitdauer von mehreren Jahren erfordern. In dieser Zeit erzielt das Unternehmen keine Gewinne und kann folglich auch keine Dividenden ausschütten. Mit dem erfolgreichen Aufbau der Marke wird aber auch das Unternehmen für die Kapitalanleger interessanter und die Aktienkurse steigen. Der Aktionär erhält daher trotz erzielter Anfangsverluste des Unternehmens eine erhebliche Rendite, wenn er die Aktien verkaufen würde. Verkauft er nicht und ist dann nach längerer Zeit die Marke erfolgreich aufgebaut, erhält der Aktionär Dividenden, die im Hinblick auf seinen Einstiegspreis ganz überdurchschnittlich sein werden.

Gefahr der Überfremdung

Allerdings muss der Unternehmer beachten, dass bei der Wahl der Rechtsform der AG die Gefahr einer Überfremdung bestehen kann. Ist er mit seiner unternehmerischen Idee sehr erfolgreich, so kann dies andere Unternehmen auf den Plan rufen, Aktien aufzukaufen, um diese Gesellschaft in zunehmendem Maße beherrschen zu können. So einfach ist dies allerdings auch nicht und das Aktienrecht bietet eine Reihe von Abwehrmöglichkeiten. Außerdem kann durch Satzungsbestimmungen, z.B. durch Ausgabe von stimmrechtslosen Vorzugsaktien, eine solche Einflussmöglichkeit auch entschärft werden.

Der richtige Weg als Maßanzug für den Unternehmer

Unternehmer zu sein, birgt viele Chancen, aber auch viele Risiken. Bevor man diesen Weg geht, sollte man sich hierüber bewusst sein und seine eigenen Motive für diesen Weg tiefgründig erforschen. Vor allem sollte man erforschen, welchen Weg man gehen möchte und wann man den bisherigen Weg verlassen kann, um sich höheren Zielen zuzuwenden. Man kann den Weg eines Unternehmers anhand des Weges eines Wanderers, Bergsteigers, Kletterers und Expeditionsteilnehmers anschaulich machen. Aber auch Expeditionsteilnehmer haben - meist in der Kindheit - als Wanderer begonnen und sich dort erste Erfahrungen, aber auch Anreize für höhere Ziele geholt.

Der Bergwanderer:

Der Bergwanderer nimmt den sicheren und ausgebauten Weg, der auf Forststraßen bis zur nächsten Alm geht und gut beschildert ist. Der Weg birgt keine großen Gefahren und erfordert nicht ein hohes Maß an Kenntnissen, Erfahrungen, Durchhaltevermögen und Orientierungsfähigkeit. Die auftretenden Risiken sind bei vernünftigem Verhalten nicht lebensbedrohlich, können aber, wie z.B. bei Eintreten eines Gewitters, oder bei Einbruch der Dunkelheit infolge von nicht vorhergesehenen Verzögerungen durchaus auch unangenehm oder gefährlich werden.

Solche Wege als Unternehmer sind die Tätigkeiten in einem regionalen und überschaubaren Markt, wie z.B. im Einzelhandel oder im Handwerk, ohne großen Kapitalbedarf, mit der Mithilfe der Familie und nur mit geringem Personal, bei dem man nicht den Beschränkungen des Kündigungsschutzgesetzes unterliegt und bei Umsatzrückgängen schnell und ohne größere Kosten den Umsatzrückgang ganz oder teilweise durch Kosteneinsparungen auffangen kann.

Der Bergsteiger:

Der erfahrene Wanderer möchte zum Bergsteiger werden und wählt einen etwas schwierigeren Weg, bei dem der Weg zu einer Almhütte über Pfade geht. Solche unternehmerischen Tätigkeiten erfordern Orientierungsvermögen und sind erst gefährlich, wenn man sich verirrt und vom Weg abkommt.

Die unternehmerischen Tätigkeiten, die diesen Anforderungen entsprechen, sind solche, bei denen man in Märkte eindringt, die man selbst noch nicht eingehend kennt und in denen man sich ständig neu orientieren muss, wobei die Märkte nicht von einem hohen Konkurrenzkampf geprägt sind. Es handelt sich z.B. um Einzelhändler, mit mehreren Filialen oder um Produzenten bereits gängiger Produkte, die nur einen etwas höheren Innovationsgrad aufweisen, so dass es "lediglich" darum geht, sich in einen bereits bestehenden Markt mit einem etwas besseren Produkt einzuklinken.

Ist der Bergsteiger bereits langjährig erfahren, nimmt er Wege, die auf Pfaden zu Gipfeln ohne Hütten führen, schlecht beschildert sind und auch mal an ausgesetzten Stellen vorbeikommen. Hier bedarf es eines gesteigerten Orientierungsvermögens. Die mitgeführte Ausrüstung muss überdurchschnittlich sein und Eventualfälle vorsehen. Erfahrungen mit unbekannten Situationen müssen bereits gemacht worden sein. Und das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit muss stark und die Angst reduziert sein.

Das Unternehmen dieser Kategorie ist langjährig eingeführt und der Unternehmer erfahren. Das Unternehmen verfügt schon über eine stattliche Größe mit einem größeren Mitarbeiterstamm. Der Markt, in dem das Unternehmen tätig ist, ist stabil, aber man muss immer vorne bleiben, um im Wettbewerb nicht zurückzufallen.

Der Kletterer:

Der erfahrene Bergsteiger sucht sich neue Herausforderungen. Er wählt Bergziele, für die es keine vorgefertigten Wege mehr gibt, die aber noch in einem kalkulierbaren Gebiet liegen. Man orientiert sich am Ziel, z.B. einem Berggipfel und sucht sich den Weg selbst. Solche Wege setzen voraus, das man schon mal kleinere Kletterungen im leichten Gelände unternehmen muss, weil der Weg abbricht und erst oberhalb eines Felsens weitergeht. Es können viele Risiken auftreten, die Gefahren sind aber nicht so überwältigend, als dass man sich nicht mit entsprechender Vorsicht auf diese einstellen könnte.

Das Unternehmen dieser Kategorie ist in einem Markt tätig, der noch nicht fest etabliert ist. Man weiß, dass das Produkt eine Marktakzeptanz aufweisen wird, aber man weiß noch nicht, auf welchem Wege man das Kaufverhalten des Kunden motivieren kann. Man probiert aus, geht kalkulierbare Risiken ein und nimmt Umwege in Kauf.

Der erfahrene Kletterer sucht sich Wege, die aber in einem Gebiet liegen, in denen die Naturgewalten die Vormachtstellung haben. Man ist auf alles gefasst, kennt alle Risiken, aber man ist zu klein und zu schwach, um auftretende Risiken auffangen zu können. Man kann sich nur dadurch sichern, indem man alles zum Überleben auch für eine längere Zeitdauer mitführt und sich notfalls in einem Schneeloch für drei Wochen vergräbt, bis eine lang anhaltende Schlechtwetterperiode vorbei ist. Man geht die Wege auch über längere und steile Felswände. Man führt Seil und Karabiner mit und sichert sich hierdurch gegen Abstürze.

Diese Wege entsprechen Unternehmen mit einer Vielzahl von Arbeitnehmern und einer nicht unbeträchtlichen Bankfinanzierung, die in einem hart umkämpften Markt tätig sind. Der Unternehmer ist langjährig als Unternehmer tätig und verfügt über Ersatzkonzepte, die er einsetzen kann, wenn in einer Schlechtwetterperiode die Banken Probleme bereiten.

Der Expeditionsteilnehmer:

Sieht sich der erfahrene Kletterer noch nicht am Ende seiner Fähigkeiten und Interessen, verlegt er seine bisherigen Unternehmungen in größere Berghöhen. Die naturmässigen Gewalten verlangen von dem Kletterer die Einhaltung eines Zeitplans, weil man z.B. bestimmte Wege nur in einer Schönwetterperiode machen kann aber man weiß, dass die Schlechtwetterperiode alsbald kommen kann. Die Eigernordwand ist von diesen plötzlich eingetretenen Schlechtwetterperioden zu großer und tragischer Berühmtheit gekommen. Man wird bei einem solchen Weg vom Zeitfaktor gehetzt.

Das Unternehmen, das einen solchen Weg einschlägt, verfügt nicht über Ersatzkonzepte für Schlechtwetterperioden. Wenn eine solche auftritt, muss dieses Unternehmen durchstarten und hoffen, dass es gut geht.

Solche Kletterer werden sich alsbald an Expeditionen beteiligen, bei denen das Maximale an Können, Ausrüstung und Erfahrung vorausgesetzt wird und ein vorgegebener Zeitplan einzuhalten ist. Ob das Ziel erreichbar ist, kann nicht gesagt oder ausreichend geplant werden. Glück wird zum entscheidenden Faktor. Solche Expeditionen sind Expeditionen in das offene Weltmeer von Columbus - der Glück hatte - , zum Nordpol von Amundsen - der Glück hatte - und Scott - der Pech hatte - oder die Expeditionen von Reinhold Messner zum Mount Everest im Alleingang - der dabei Glück hatte - oder zur Polüberschreitung - und er dabei Glück im Pech hatte.

Diese Unternehmen greifen einen Markt an, der neu ist und bei dem offen ist, ob sich der Markt in der erforderlichen Weise überhaupt in diese Richtung entwickeln wird. Infolge der Größe des Unternehmens und der Anzahl der Mitarbeiter gibt es keine kurzfristigen und flexiblen Handlungsmöglichkeiten. Erreicht das Unternehmen den Marktdurchbruch, wir es groß gefeiert, wie z.B. MicroSoft oder Intel. Bleibt der Marktdurchbruch aus, erscheint dieses Unternehmen nur als Zahl in der Insolvenzstatistik.

Der Unternehmer als Abenteurer

Unternehmer zu sein, bedeutet damit also auch, Abenteurer zu sein. Man muss Zutrauen zu sich selbst und Interesse am Unbekannten haben. Der vorsichtige Unternehmer fängt als Bergwanderer an und wird nach vielen Jahren Erfahrung vielleicht zum kleinen Bergwanderer. In unserer auf Abenteuer ausgerichteten Welt - "no risk, no fun" - werden jedoch eine Reihe von neuen Unternehmen mit durchschlagenden Produktideen entstehen, die nur erfolgreich sind, wenn sie den Mut zum Kletterer oder gar Expeditionsteilnehmer haben. Sie sollten sich aber den erheblichen Risiken bewusst sein und nicht zu große Schritte auf einmal machen. Viele Bergwanderer stürzen ab, weil sie sich nicht bewusst machen, dass das Verlassen der beschilderten Wege höchstgefährlich ist, wenn man nicht die notwendigen Erfahrungen und Ausrüstungen hat. Diejenigen, die scheitern und die Fehler ihres Scheiterns erkannt und eingesehen haben, sollten den Mut haben, nach ihren ersten negativen Erfahrungen es beim zweitenmal besser zu machen.

Je weiter sie sich in der Skala der unternehmerischen Risiken bewegen, desto weniger sollten die Unternehmer aber ihre unternehmerischen Tätigkeiten in Deutschland ausüben. Das Umfeld in Deutschland ist starr, träge und unternehmerisches Risiko wird bestraft. Ein Konkurs gilt hier noch immer als Versagen. Die Fallstricke für einen gestrauchelten Unternehmer sind so groß, dass er kaum mehr die Möglichkeit für einen Neuanfang hat. Vor allem gilt für einen deutschen Unternehmer: "Wer den Schaden hat, braucht sich für den Spott nicht zu sorgen".

iele Unternehmer mit hervorragenden, aber riskanten Unternehmensideen sollten daher insbesondere die USA bevorzugen oder zumindest dort ein zweites Standbein errichten.