|
|
|
Investitionen an der Leading Edge Was macht den Erfolg großartiger Unternehmen aus? Ist es eine große Finanzkraft? Ist es Glück oder ist es Zufall? Sind es die staatlichen Rahmenbedingungen? Oder ist es schlichtweg Intuition, Geschick, Können, Ausdauer und unbedingter Siegerwillen des Unternehmensführers? Die Geschichte lehrt uns vieles - und damit auch dieses. Großartige Unternehmen entstehen aus der Kraft einzelner Personen - die ein Höchstmaß an Intuition, Geschick, Können, Ausdauer und unbedingten Siegerwillen in sich vereinen. Mehr braucht es hierzu nicht. Alles andere sind Einsatzposten wie beim Kochen - lediglich Zutaten, die man sich kaufen kann. Wichtig und sozusagen Brennstoff für den Motor des Aufschwungs ist die Aufbruchstimmung der Wirtschaft, die erkennt, dass Unternehmer Leistungen erbringen, die dem Großteil der arbeitenden Bevölkerung zu Gute kommen und auch den Staat wohlhabend macht. In unserem Staat mit seiner Vollkaskomentalität und dem Staat als Kaskoversicherer ist eine solche Grundlage für einen Nährboden, auf dem solche Unternehmen wachsen können, nicht vorhanden. Deshalb werden die unternehmerischen Chancen hauptsächlich in den USA wahrgenommen, in denen die Vollkaskomentalität des Staates historisch nicht vorhanden oder kaum ausgeprägt ist. Auch die asiatischen Staaten werden die Chancen der Zeit nutzen, wenn sie die Übertreibungen der letzten Jahre zurücknehmen und wieder auf ihre Schiene zurückkehren. Die Unternehmensführer, die heute ihre großartigen Unternehmen von morgen gründen und ausbauen, wissen dies und nützen diese Möglichkeiten der Globalisierung der Wirtschaft. Zu der Intuition der neuen Unternehmensführer gehört daher auch dazu, den richtigen Ort der Betätigung zu wählen. Auch wenn sie in Deutschland ansässig bleiben, weil sie hier ihre Heimat haben und fest verwurzelt sind, werden sie dennoch Unternehmen in den USA und in Asien betreiben und die Chancen des europäischen Marktes nutzen. Hier soll ein kleiner Einblick in ausgewählte historische Beispiele erfolgreicher Unternehmen der letzten 200 Jahre gegeben werden. Heute namhafte Globalplayer sind von Unternehmensführern gegründet und mit einer Grundprogrammierung versehen worden, die den Erfolg des Unternehmens bestimmten. Diese Unternehmensgründer hatten nichts anderes als ihre Intuition, ihr Geschick, ihre Ausdauer und ihren unbedingten Siegerwillen, also den Willen, das zu erreichen, was sie sich vorgestellt hatten. So gesehen ist die Unternehmensführung mehr als ein Broterwerb. Die wirklich erfolgreichen Unternehmen entstehen durch Leidenschaft, nämlich Leidenschaft zur Erreichung von Großartigem. Erfolgreiche Unternehmensführer haben die Zeichen der Zeit und ihre Umbrüche, die Leading Edges, erkannt. Großartige Ideen sind in Zeiten technologischer Umbrüche entstanden, die zu Megaströmungen geführt haben. Die Unternehmensführer haben sie intuitiv erkannt, genützt und die Saat für überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmen in diesen Nährboden der großen Umbrüche gepflanzt. Die Saat ist aufgegangen. Es sind stattliche Eichen und Buchen entstanden, die Wind und Wetter trutzen und alles andere überragen. Solche Umbrüche erfolgen auch heute wieder und werden zu weiteren Megaunternehmen führen, die praktisch aus dem Nichts entstehen. Waren es vor 100 bis 200 Jahren die Umwälzungen in den Bereichen Dampfmaschine, Baumwolle, Stahl, Eisenbahn, Elektrotechnik, Antriebe, Chemie und Düngemittel, so sind es heute die Umwälzungen in den Bereichen der Informationsverarbeitung, Telekommunikation und Medizintechnik. Werner von Siemens, Friedrich Krupp, August Thyssen, Gottlieb Daimler, Henry Ford, Carl Zeiß, Adam Opel, - Unternehmensgründer von damals - Bill Gates, Andy Grove und Dietmar Hopp - Unternehmensgründer von heute - haben diese Umbrüche und solche Leading Edges, an denen neue und große Märkte geboren werden, erkannt. Sie haben erkannt, dass sie den bisherigen Weg verlassen müssen und haben die neuen Wege eingeschlagen. Dies nur mit Zufall und Glück erklären zu wollen, wäre nicht zutreffend. Natürlich gehört Zufall und Glück mit dazu, aber die Intuition zum richtigen Weg folgt aus der Grundlage eines neuen Denkens und Verständnisses für den bisherigen Weg und aus der Leidenschaft zur Durchsetzung neuer Ideen. Ein junger und intuitiver Wanderer, der längere Zeit mit der Masse den bisherigen breiten Weg gegangen ist, findet diesen mit der Zeit langweilig und will neue Wege gehen. Er ist wachsam und erkennt die oftmals unscheinbaren Abzweigungen für neue, interessante und einsame Wege, die zu neuen und höheren Zielen führen. Die große Masse ist auf den eingeschlagenen Weg vorprogrammiert und folgt diesem gemächlich nach oben und ist überrascht, dass der Weg abflacht, auf gleicher Höhe bleibt, um danach nach unten zu führen. Die große Masse hat die kleine und unscheinbare Abzweigung verpasst - durch ungenügende Konzentration einfach übersehen. Diese Abzweigung aber vergrößert sich zu einem neuen und immer breiter werdenden Weg und führt im Gegensatz zum bisherigen Weg nach oben. Die Masse hat die Abzweigung deshalb übersehen, weil sie es gar nicht für möglich gehalten hat, daß der Weg nicht zum Gipfel führt, sondern sich in der Hochebene verliert, bis er an anderer Stelle wieder ins Tal führt. Wer die Abzweigung erkannt hat, ist auf dem neuen und richtigen Weg zum Gipfel alleine und lange Zeit konkurrenzlos. Denn die Masse geht den letztlich nach unten führenden Weg. Vor allem: Der Weg zum Erfolg, zum Gipfel, ist oftmals kurz. So konnten Bill Gates, Andrew Grove und Dietmar Hopp ihre Weltunternehmen in nur wenigen Jahren, nämlich in einer Zeit von nur 10 bis 15 Jahren zum großen Globalplayer ausbauen. Auch Werner von Siemens, August Thyssen und den anderen Unternehmensführern gelang dies. Um die herausragenden Beispiele in der Entwicklung von Unternehmen verstehen zu können, muss zunächst das grundsätzliche Gelände, auf dem sich solche Entwicklungen ereignen, betrachtet werden. Denn die großartigen Unternehmen sind, wie gesagt, alle in Zeiten der Umbrüche entstanden und sind bereits in den Anfängen den neuen und noch unscheinbar beginnenden Rinnsalen gefolgt, die sich immer mehr zu Strömungen bis hin zu Megaströmungen vergrößerten. Ob Siemens, Daimler, Krupp oder Thyssen - oder Microsoft, Intel und SAP - nichts unterscheidet sie. Deshalb ist den jeweiligen Gründungen ihrer Unternehmen ein kurzer Überblick über die grundsätzliche Wirtschaftsentwicklung dieser Zeit vorangestellt.
Die industrielle Revolution zwischen 1750 und 1850 Mit den 1770er Jahren setzte ein starkes Wirtschaftswachstum vor allem in Großbritannien ein, das sich zu dieser Zeit bereits seit etwa 20 Jahren strukturell vorbereitete. Die damals noch vorherrschende Agrarwirtschaft entwickelte sich in zunehmendem Maße zur Industriegesellschaft. Der Umbruch war gewaltig, denn immer mehr Menschen wandten sich von der Tätigkeit in der Agrarwirtschaft ab und gingen in die Städte, um dort als Lohnarbeiter in den Industrien zu arbeiten. Es kam zur Landflucht und die verbleibenden Arbeiter in der Agrarwirtschaft konnten durch erhebliche Rationalisierungen, durch Einsatz von Maschinen und Steigerung des Ertrags durch neue Anbaumethoden und neuer Düngemittel mit weniger Personen mehr als bisher erwirtschaften. Der Agrarwirtschaft ging es dadurch immer besser. Die Zeit zwischen 1750 und 1850 wird als die sog. große industrielle Revolution gesehen. Dabei ist der Begriff der Revolution durchaus angebracht, denn Revolution bedeutet eine von unten ausgehende, tiefgreifende und gewaltsame Änderung der gesamten Strukturen. Auch heute befinden wir uns in einer Revolution, die die gesamte Struktur unseres Wirtschaftslebens und der Gesellschaft verändert. Wir befinden uns im Übergang von der Industrie- zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft. Die Industrie beschäftigt - wie damals in der Agrarwirtschaft - immer weniger Personen und kann ihr Wachstum durch überproportionale Rationalisierung bei steigenden Gewinnen durchführen. Seit etwa 1760 stiegen die technischen Innovationen stark an. Zu den Schlüsselinnovationen zählten die Spinnmaschine nach einem neuen Prinzip und die erhebliche Weiterentwicklung des Spinnrades. Diese Schlüsselinnovationen bewirkten einen enormen Aufstieg der Baumwollindustrie in Großbritannien und die Entstehung von Fabriken zur Produktion von Baumwollgarn. Die Textilindustrie mit einem lang anhaltenden Aufwärtstrend wurde geboren. Durch die Verhüttung von Eisenerz mit Hilfe von Steinkohlenkoks anstelle der Holzkohle erlebte auch die Eisenindustrie einen gewaltigen Aufschwung. Zudem konnte das Eisen durch neue Methoden von seinem hohen Kohlenstoffgehalt befreit werden und wurde auf diese Weise schmiedbar. Der bislang vorherrschende Rohstoff Holz wurde immer mehr durch den neuen Rohstoff Eisen ersetzt. Gleichzeitig wurde die Dampfmaschine durch James Watt 1760 so verbessert, dass diese von nun an in vielfältiger Weise eingesetzt werden konnte. Die Verbesserungen betrafen insbesondere die Erreichung eines höheren Wirkungsgrades und die Erweiterung der Anwendungsmöglichkeiten durch Umsetzung der Pump- in eine Drehbewegung mit Hilfe der Pleuelstange. Die Bevölkerung kam zu einer besseren und billigeren Kleidung. Der neue vorherrschende Werkstoff Eisen ermöglichte völlig neue Produkte und Anwendungen. Und das allgemeine Energieniveau der Produktion wurde gewaltig erhöht, indem die Energie aus der Muskelkraft der Tiere und Menschen durch die Energie der Umwandlung fossiler Brennstoffe durch die Dampfmaschine in Bewegungsenergie ersetzt wurde. Auch heute erfolgen derartige Umbrüche. Die Lebensbedingungen der Menschen werden durch die Pharmaindustrie und die Medizintechnik erheblich verbessert. Der Einsatz neuer Werkstoffe ist in vollem Gange - neue Werkstoffe wie Plastik, Keramik, Aluminium verdrängen zunehmend Eisen. Und durch den Einsatz von Computern und Robotern werden ganze Arbeitsabläufe ersetzt oder rationalisiert.
Revolutionäre Veränderung der Rahmenbedingungen Der marktmäßige Durchbruch von Schlüsselinnovationen ging einher mit einer ebenfalls revolutionären Aufbruchstimmung in Europa. Nachdem 1815 Napoleon bei Waterloo besiegt und Europa im Wiener Kongress im gleichen Jahr neu geordnet wurde, konnte sich die europäische Wirtschaft in einem breiten Maße entwickeln. Die zunehmende Verbreitung der Ideen des Freihandels und die Beendigung der Großmachtkonflikte im 18. Jahrhundert stimulierten langfristige kommerzielle und industrielle Investitionen und förderten das Heranwachsen einer Weltwirtschaft. Mit der Französischen Revolution sind die Bauern in Frankreich von den grundherrschaftlichen Lasten befreit worden. Ferner wurde die vollständige Gewerbefreiheit eingeführt und Privilegien und Sonderrechte abgeschafft. In Deutschland wurde - wie heute auf europäischer Ebene - die territoriale Zersplitterung entscheidend vermindert. Ferner wurde in Deutschland die ständische Zersplitterung zum großen Teil durch gleiche staatsbürgerliche Rechte und Pflichten für Jedermann abgelöst. Agrar- und Gewerbereformen wurden durchgeführt und auch Verwaltungs- und Bildungsreformen beschlossen. 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet, was einen weiteren und ganz wesentlichen Schritt zu mehr Marktintegration bedeutete. Fast ganz Deutschland wurde dadurch ein einheitlicher Markt. Auch außenwirtschaftlich stellte sich ein großer Aufschwung ein. Die Jahrzehnte nach 1815 waren von der britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren geprägt. Großbritannien konnte hierdurch die vorherrschende wirtschaftliche, politische und militärische Macht gewinnen. Denn die Seeschifffahrt führte zwangsläufig zur Herrschaft über die weltweiten Handelsströme. Das Transportwesen und die Verkehrsverbindungen wurden international verbessert. Hierdurch wurde auch der Transfer industrieller Technologie schneller; das Produktionsvolumen stieg international und neue landwirtschaftliche Gebiete und Rohstoffvorkommen wurden erschlossen. Der Sterling, die britische Währung, wurde immer stärker und wurde zur internationalen Leitwährung. Er war vollständig durch Gold gesichert. "So gut wie Sterling" war damals ein beliebtes Redewort. 1866 wurde per Gesetz Gold zum einzigen Wertmaß im Britischen Empire erklärt. Die Goldförderungen in Australien, Kalifornien und Südafrika kamen vollständig in die Tresore der Bank von England, die nicht Staatsbank, sondern ein privates Unternehmen war. Großbritannien konnte damit der ganzen Welt Kredite einräumen und hierdurch weltweites Ansehen und weitere Macht und Kontrolle über das ausländische Bankenwesen gewinnen. Dieses stetige Wirtschaftswachstum stieg dann noch ab den 1840er Jahren steil an. Die Produktivitätszuwächse in der Industrie waren gewaltig. Die Dampfmaschine ermöglichte die Umgestaltung der Produktionsprozesse und die Automation. Die Web- und Spinnmaschinen gewannen ungeheuerliche Kapazitäten. Eine einzige Lokomotive konnte so viele Güter transportieren, wie Hunderte von Packpferden und war zudem noch schneller. Weltweit kam es zu einer globalen Verschiebung der Machtverhältnisse. Europa und die USA erlebten einen ungeheuerlichen Wirtschaftsaufschwung, so daß der Anteil an der weltwirtschaftlichen Produktion bei den übrigen Ländern stark zurückging. Vor allem China, Indien und Pakistan waren schwer betroffen. Der Anteil von China an der Welt-Industrieproduktion ging von 32,8 % in 1750 auf 6,2 % und der von Indien/Pakistan von 24,5 % in 1750 auf 1,7 % in 1900 zurück. Europa legte von einem Anteil von 23,2 % in 1750 auf 62,0 % in 1900 zu, wobei die Steigerung von Großbritannien von 1,9 % in 1750 auf 18,5 % in 1900 fast eine Verzehnfachung bedeutete. Dabei ist zu beachten, dass bis 1880 mehr als eine Verzehnfachung erreicht werden konnte und bis zum Jahre 1900 auf einen Anteil zurückging, der noch unter dem Anteil von 1860 lag. Noch mehr legten die USA zu, die ihren Anteil an der Welt-Industrieproduktion wegen der Gründung der USA von niedrigstem Niveau von 0,1 % in 1750 bis 1900 um das mehr als Zweihundertfache auf 23,6 % erhöhten. Damit wurde die Weltwirtschaft im 19. Jahrhundert durch die Globalisierung fast vollständig westlich. In den siebziger Jahren rutschte die englische Wirtschaft in eine langanhaltende Depression, die bald auf Österreich und Deutschland übergriff. Österreich und Deutschland koppelten sich immer mehr vom britischen Modell ab und hatten damit einen langanhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Seit Anfang der siebziger Jahre verlor das Britische Empire an Macht und gab dieses an andere Industrienationen in Europa, allen voran an das Deutsche Reich ab. Deutschland erlebte durch die erhebliche technische Entwicklung eine technische Revolution. Im Gegensatz hierzu legte die britische Industrie- und Finanzpolitik keinen besonderen Wert mehr auf den technologischen Fortschritt. In Deutschland entstanden zahlreiche technische Hochschulen und Lehranstalten zur Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler und Ingenieure für die Industrie.
- Stahl, Elektrizität, Anilinfarben, Pharmazeutika, Düngemittel - Im Mittelpunkt der deutschen Wirtschaftsentwicklung stand die Stahlerzeugung, die Elektrizitätswirtschaft und die chemische Industrie. Verursacht wurde das erste deutsche Wirtschaftswunder vor allem durch den Ausbau eines flächendeckenden Eisenbahnnetzes, die Stromerzeugung und die Produktion von Anilinfarben, Pharmazeutika und Düngemittel. Durch die Düngemittel stieg auch die Produktivität in der deutschen Landwirtschaft weiter steil an, so dass sich die Bevölkerung in weit größerem Maße mit Nahrungsmittel selbst versorgen konnte. Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands war damals enorm. Einerseits stieg Deutschland zur modernen Seemacht auf und machte damit der britischen Vorherrschaft erhebliche Konkurrenz. Dadurch konnten auch die Chancen des internationalen Handels genutzt werden. Andererseits stellten sich in Deutschland die Stahlherstellung und der Maschinenbau immer mehr auf den Schiffsbau ein. Die Handelsflotte stieg vom Segelschiff auf das Dampfschiff um, womit die deutsche Handelsflotte leistungsfähiger und schneller wurde. 1888 traten Hamburg und danach Bremen dem Deutschen Zollverein bei. Die Häfen dieser Städte entwickelten sich zu den modernsten, schnellsten und umschlagsgrößten Hafenanlagen ganz Europas. Deutschland baute seine Schiffsrouten zügig aus und fuhr um 1900 alle wichtigen Häfen der Welt an. Eingebettet in diese Aufbruchstimmung und die Geburt neuer Megaströmungen gründeten viele Unternehmensführer heute namhafte Unternehmen. Die folgenden Beispiele sind nur eine kleine Anzahl ausgewählter Beispiele, die als Art Zeitraffer das Entstehen und Nutzen von Megaströmungen und die Entwicklung großer Unternehmen auf der Welle dieser Strömungen aufzeigen soll. Friedrich Krupp Gottlieb Daimler Adam Opel August Thyssen Robert Bosch Julius Reuter Marvin Bower (McKinsey) Die Nachkriegszeit - Neuindustrialisierung, Beweglichkeit, Rationalisierung - - Neuindustrialisierung, Beweglichkeit, Rationalisierung - Die Jahre ab 1950 waren vom Ende des zweiten Weltkrieges geprägt. Dies bedeutete zweierlei: Zum einen hatte der Krieg große Zerstörungen verursacht und in Deutschland wurde die Wirtschaft zusätzlich noch durch die Demontage der Industrie grundlegend beeinträchtigt. Die Unternehmen mussten neu aufgebaut werden. Durch die Zerstörung der Gebäude, Werkshallen und Maschineneinrichtungen konnten bei der Neuerrichtung der Industrie gleich die neuesten Standards und Erkenntnisse der Fertigungstechnik angewandt werden. Man musste bei der Investitionsentscheidung nicht auf alte Strukturen Rücksicht nehmen. Die Rationalisierungssprünge waren damit überdurchschnittlich groß und förderten das Wachstum der Unternehmen. Zum anderen waren die Menschen in einer Lage, dass es nur noch besser werden konnte. Staat und Wirtschaft waren in Deutschland zusammengebrochen und in den anderen Ländern durch die kriegerischen Anstrengungen schwer beeinträchtigt. Die Menschen wussten also, dass sie sich nur selbst helfen konnten und nicht - wie heute - nur nach dem Staat zu rufen bräuchten. Dieses Verständnis der gesamten Bevölkerung setzte ungeheuerliche Kräfte an Motivation, Fleiß und Anstrengung frei, die zu einem Gründerboom und zu einem stetigen Wachstum der Unternehmen führte. Die stetige wirtschaftliche Verbesserung der Volkswirtschaften und die erheblichen Rationalisierungen führten zu einer permanenten Zunahme des Realeinkommens. Die Menschen mussten immer weniger Kraft und Arbeitseinsatz für die Befriedigung der Grundbedürfnisse des Lebens aufzuwenden. Durch die Beseitigung dieser Zwänge konnten immer größer werdende Bevölkerungsschichten ihren Kindern eine Ausbildung ermöglichen, so dass Schulen, Universitäten und Forschungseinrichtungen in großer Anzahl neu entstanden. Das weltweite Humankapital schaffte dadurch einen Quantensprung. In immer mehr Bereichen und in immer schnellerer Folge wurden neue Erfindungen gemacht und neue Produkte oder Herstellungsverfahren entwickelt. Das Automobil wurde zu einem Gut für Jedermann. Die Automobilindustrie wurde zu einem tragenden Wirtschaftsfaktor der Volkswirtschaften. Die rasch zunehmende Beweglichkeiten des Volkes führte zudem zu einem nachhaltigen Straßen- und Brückenbau und zur Veränderung der Handelsstrukturen, weil nunmehr in größeren Mengen und auch bei entfernteren Orten eingekauft werden konnte. Die Lebenserwartung der Menschen wurde durch die fortschreitenden Erkenntnisse der Medizin erheblich größer. Die Pharmaindustrien erlebten gewaltige Aufschwünge und neue Märkte für Senioren entstanden. Auch der Verwaltungsbereich der Unternehmen wurde ständig rationalisiert. Versicherungen erlebten auf der Grundlage des Verständnisses der Bevölkerung, daß sie für eine zusätzliche Absicherung im Alter selbst verantwortlich sind, gewaltige Aufschwünge. Die Banken übernahmen für immer breiter werdende Schichten nicht nur die Aufgabe des Vorhaltens eines Sparkontos als Sicherung gegen Verlust von Geld, sondern kümmerten sich in zunehmender Weise um das Finanzmanagements jedes Einzelnen. Dadurch kam es zur Verarbeitung von immer größeren werdenden Datenmengen und damit zu Rationalisierungen im Verwaltungsbereich. Die Lochkartenleser wurden eingeführt und in den 60er Jahren hielten Computeranlagen in die Unternehmen Einzug. Das Flugzeug entwickelte sich durch die Reduzierung der Preise zum weiteren Verkehrsmittel für die breite Bevölkerung. Vor diesem Hintergrund konnten sich wiederum - wie schon 100 oder 200 Jahre früher - neue und große Unternehmen auf diesen Megaströmungen entwickeln. Eindrucksvoll ist der Megastrom der Datenverarbeitung, der zur Gründung von Microsoft, Intel und SAP führte und es diesen Unternehmen ermöglichte, sich in nur wenigen Jahren zu großartigen Unternehmen zu entwickeln.
Ausblick auf die Jahre 2000 bis 2025 - Biotechnologie, Medizintechnik, Robotik, Internet, Umweltschutz, Raumfahrt - Heute befinden wir uns wiederum in einer solchen Umbruchzeit, in der neue Megaströmungen geboren werden. Der Mensch entdeckt völlig neue Gebiete im Kleinen, nämlich die Biotechnologie. Wie die Entdeckung von Amerika durch Columbus die Welt revolutionierte, so revolutioniert die Entdeckung der Mikrowelt unsere und die kommende Welt. Diese Entdeckungen gehen einher mit der Revolutionierung der Medizintechnik. Der Mensch baut sich ständig neuere technische Mittel an sich an, zunächst ein Brille für besseres Sehen, dann ein Hörgerät für besseres Hören, und schließlich Herzschrittmacher, Hüftgelenke, Prothesen, Organe und vieles mehr. Dies verbunden mit Chips und der Informationsverarbeitung werden hier vollkommen neue Märkte in großem Ausmaß geboren. Die Erweiterung und Verbesserung der Computertechnik und der Steuerungstechnik wird zu einer Vielzahl von neuentwickelten Robotern führen, für die immer neuere Anwendungsgebiete gefunden werden. Waren es zunächst nur die Fertigungs- und Schweißroboter, die insbesondere in der Autoindustrie zum Einsatz kamen, werden die Einsatzgebiete wegen der Verbilligung und Weiterentwicklung von Technologie, Software und Schnelligkeit der Informationsverarbeitung immer breiter werden. Roboter werden nicht nur in Industrie und Handwerk, sondern auch in Verwaltung und Haushalten eingesetzt werden. Und die gesamte Welt vernetzt sich dank Internet und Datenautobahn. Wie hochsensible Nervenbahnen ziehen sich die Kommunikationsverbindungen rund um den Globus. Die Erde wird intelligent. Jeder kann mit jedem kommunizieren, Produkte und Dienstleistungen anbieten und das Internet verbinden die Haushalte und Unternehmen weltweit zu einem einzigen 24stündig geöffneten Internetshop. Die Informationsbeschaffung und der Datenaustausch kennt keine Grenzen mehr. Ferner wird dem Menschen immer mehr die Verletzlichkeit seiner Umwelt bewußt werden. Als die ersten Bilder aus dem All gezeigt wurden, die das kleine Raumschiff Erde mit seiner ausgeprägten Schönheit, aber auch mit seiner extrem dünnen Schicht zeigte, die sie vom feindlichen All trennte, gab es quer durch die gesamte Menschheit einen tiefgreifenden Ruck, der das Verständnis zur Umwelt grundlegenden beeinflusste. In zunehmendem Maße fordert die Menschheit den Schutz der Umwelt als eines der Basisgrundrechte zu verstehen, die jeder Staat nicht nur zu beachten, sondern aktiv gegen ihre Gefährdung und Beeinträchtigung vorzugehen hat. Auf dem Megastrom dieser Bewusstseinsveränderung werden neue Produkte, Verfahren und Branchen zum Schutz und zur Verbesserung der Umwelt entstehen, die ähnliche Bedeutung für die Menschheit wie die Computerisierung haben werden. "Zurück zur Natur" wird auch die Energiewirtschaft und die Materialwirtschaft bedeutend verändern. Nachwachsende Rohstoffe, also Werkstoffe des Produzenten Natur, werden in zunehmendem Maße im Produktionskreislauf eingesetzt werden und herkömmliche Rohstoffe und Werkstoffe ersetzen. Solaranlagen werden einen wesentlich höheren Wirkungsgrad erreichen und infolge einer erheblichen Kostendegression in immer größerem Umfange für die Energiebeschaffung sorgen. Und der Mensch wird sich unweigerlich in den Weltraum ausdehnen. Denn er ist beweglich und neugierig. Er will stets die noch unerforschten Räume erobern. Ob dies früher per Schiff war, als die Weltmeere beseegelt und neue Orte und Kontinente gefunden wurden, ob dies Expeditionen in den Urwald von Afrika oder die Antarktis waren, oder ob dies zuletzt die Besteigung der höchsten Berge der Welt im Himalaja waren: alles geht auf die Grundprogrammierung der Biologie und der Menschheit zurück. Sie will sich dorthin ausdehnen, wo sie sich noch nicht befinden. Die Fortschritte in der Weltraumfahrt, aufgrund denen das Verlassen der Erde immer kostengünstiger wird, werden dies fördern. Zuerst wird die Reise ins All, wie es derzeit erfolgt, den Wissenschaftlern vorbehalten werden. Sobald sich die Mobilität in den Weltraum verbessert, werden immer mehr Menschen eine solche Reise antreten. Zunächst Journalisten und Medienleute. Dann Touristen für das Ausgefallene. Und schließlich spezielle Unternehmen, die Produktionsstätten errichten für teure Produkte, die kostengünstiger im Weltall in der Schwerelosigkeit und im Vakuum als auf der Erde produziert werden können. Dies alles wird die Raumfahrt gewaltig steigern und die Kosten senken. Dies führt dazu, daß immer mehr Unternehmen ihre Produktionsstätten ins Weltall verlegen, bis dann auch ganze Städte dort errichtet werden, da die Personen, die dort arbeiten, auch dort leben müssen und wollen. Sobald dieses Szenario zum Laufen beginnt, werden wir einen ganz gewaltigen Wirtschaftsaufschwung über Jahrzehnte und Jahrhunderte - sicherlich mit Einbrüchen - erleben, weil damit die gesamte Struktur unserer Erde umgestaltet wird. Die Erde wird sich - als Langzeitperspektive - zu einem einheitlichen Naturschutzpark entwickeln. Gewohnt und gearbeitet wird im Weltraum in künstlich geschaffenen Welten. Die Tätigkeit in der Computertechnik, Medizintechnik und Steuerungstechnik bringt den Unternehmer in die Richtung, wo die neuen Megaströme der Zukunft entstehen. Unser Land braucht Pioniere, die die Zeichen der Zeit verstehen und mit Leidenschaft umzusetzen wissen. Bedauerlicherweise ist unser Land beherrscht von Jammerern, Sozialstrategen und Bedenkenträger, die den Pionieren das Leben schwer machen.
Ausgewählte Bibliographie Brockhaus Enzyklopädie Buchheim Christoph Crainer Stuart Gates Bill Grove Andrew S. Kennedy Paul Klingaman William K. Mirrow Kurt Rudolf Weimar Wolfram Wittmann Walter Wörl Volker |