| strategische
Unternehmensplanung
Die drei Freunde setzten sich große Ziele. Sie waren sich einig, dass sie diese Ziele
nur erreichen werden können, wenn sie mit großem Einsatz und großer Ausdauer auf dieses
Ziel zusteuern würden. Sie waren sich auch einig, dass dies nur mit einer gehörigen
Portion an Leidenschaft ginge.
Die Kunden des jungen Unternehmens sollten Urlauber aus dem Ausland sein. Die einen
wollen kleine Wanderungen machen, wieder andere wollen eher mit dem Bus herumreisen und
manche wollen knackige Bergtouren unternehmen. Hier wurden bereits die grundsätzlichen
Angebote für die einzelnen Bereiche konzipiert und es wurde festgelegt, dass diese in den
nächsten Wochen verfeinert und in eine anschauliche Übersicht gebracht werden. Mit einer
kleinen und kostengünstigen Broschüre kann dann für diese Programme geworben werden.
Die drei Freunde waren sich einig, dass aber viel schwieriger sein wird, die Gäste zu
bekommen. Hier wurden verschiedene Akquisitionsmodelle erörtert und die Strategie
entwickelt, dass man hier insbesondere mit ausländischen Reisebüros kooperiert, die das
Programm in den Westalpen anbieten. Man war sich einig, dass hiermit das große Geld am
Anfang nicht verdient werde, aber dieses Modell der Kooperationen wäre zumindest für den
Start geeignet und alle anderen Akquisitionsmodelle hätten hohe Vorlaufkosten mit
unsicherem Ergebnis zur Folge. Unabhängig davon, dass man solche Kosten nicht aufwenden
möchte, wäre eine Finanzierung auch gar nicht möglich.
In der Anfangsphase sollte der betriebswirtschaftlich ausgebildete Freund noch in dem
Unternehmen, bei dem er beschäftigt ist, bleiben und seine Leistung in das Unternehmen in
den Abendstunden und am Wochenende erbringen. Sobald der Arbeitsumfang steigt und die
laufenden Einnahmen eine Finanzierung seiner Arbeitskraft ermöglichen würde, käme er
ganz in das junge Unternehmen und würde hierzu seine Arbeitsstelle aufgeben.
Sobald der Geschäftsbetrieb zu laufen begonnen hat, soll er stetig ausgebaut
werden. Das Angebot an Wanderungen, Bergführungen und Bustouren soll weiter aufgefächert
werden. Freie Mitarbeiter werden gewonnen, die im Büro und auf den Reisen mithelfen; eine
Kooperation mit einem Busunternehmen soll eingegangen werden, um die Kosten für einen
eigenen Bus zu vermeiden.
Sobald das Angebot an Wanderungen, Bergführungen und Bustouren einen bereits
stattlichen Umfang erreicht hat, wird dieses in eine Katalogform gegeben. Da das Angebot
vor allem im Ausland verteilt wird, wird es zudem im Internet veröffentlicht, weil
hiermit die Akquisitionskosten ganz erheblich gesenkt und der angesprochene Kundenkreis
maßgeblich erweitert werden können.
Spätestens hier müsste dann das stille Beteiligungskapital gezeichnet werden, weil
die Erstellung und die Herausgabe eines solchen Katalogs sehr kostenintensiv ist. Da
dieser Katalog erst herausgeben wird, nachdem bereits der Erfolg der Geschäftsidee unter
Beweis gestellt worden ist, werden die stillen Gesellschafter auch zur Zeichnung der
stillen Beteiligung bereit sein.
Und nun beginnt auch ein größere Kampagne, das junge Unternehmen bekannt zu machen.
Man weiß nunmehr, aus welchen Ländern hauptsächlich die Gäste kommen. Und in diesen
Gebieten werden Werbebeiträge in einschlägigen Fachzeitschriften geschaltet. Man
arbeitet dann auch mit einem Werbeunternehmen zusammen und entwickelt Marketingstrategien,
mit denen man gezielt das entsprechende Publikum anspricht.
Nunmehr muss langsam die Organisations- und Führungsstruktur im Unternehmen verändert
werden. Nur mit freien Mitarbeitern lässt sich das Unternehmen nicht mehr führen. Es
müssen Arbeitnehmer fest angestellt werden. Und unsere Unternehmensgründer müssen nun
erheblich dazulernen, nämlich wie man eine größere Mitarbeiterschaft führt und ein
größeres Unternehmen strukturiert.
Die einen Mitarbeiter sind für die Auftragsannahme und für den Kontakt mit den Kunden
zuständig. Der Grad der Zufriedenheit der Kunden wird festgestellt, die Kundenwünsche
analysiert und den Beschwerden einen hohen Stellenwert eingeräumt, weil sich hieraus die
Schwachpunkte herauslesen lassen. Innerbetrieblich werden an die Kollegen, die für die
Angebotsseite zuständig sind, die Verbesserungswünsche weitergegeben.
Die anderen Mitarbeiter sorgen sich darum, dass die Wanderungen, Bergführungen oder
Bustouren mit einer optimalen Logistik abläuft. Das Netzwerk mit Kooperationen,
insbesondere mit Dienstleistern vor Ort, wird weiter ausgebaut und darauf geachtet, dass
die Qualitätsmaßstäbe bei der Betreuung der Gäste von diesen eingehalten werden.
Und mittlerweile ist das nun nicht mehr so junge Unternehmen in eine stattliche
Unternehmensgröße hineingewachsen. Ein bis zwei Jahre soll das Unternehmen auf dieser
Größe gehalten werden, damit sich die organische Struktur des Unternehmens verfestigen
und optimieren kann. Und dann kann - falls die Gründer dann noch wollen - das Unternehmen
weiter ausgebaut werden.
Jetzt ist es an der Zeit, die Grundlagen der strategischen Unternehmensplanung einem
Generalcheck zu unterziehen. Es stellen sich viele Fragen, wie z.B: Wo sind die Chancen
für das Unternehmen? Mit welcher Marketingstrategie sollen weitere Kunden gewonnen
werden? Welche weiteren Produkte sollen hinzugenommen werden? Welche Produkte sollen
eingestellt werden? Wie steht die Konkurrenz da? Welche Mitarbeiter und insbesondere
Führungskräfte müssen gewonnen werden?
Hier wird es nun Zeit, die Umwandlung der GmbH in eine AG vorzunehmen, weil nunmehr
eine andere Führungsstruktur für das Unternehmen und eine Finanzierung über den
Kapitalmarkt notwendig wird. Vorstände für das Unternehmen werden gesucht und unsere
Unternehmensgründer werden langsam in den Aufsichtsrat abwandern. |