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Freitag, 18.05.2012

Wirtschaftsverlag für Unternehmensführung
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Aktienrückkäufe

Wenn Aktiengesellschaften über eine hohe Liquidität durch gute Gewinne verfügen, können sie diese Gewinne entweder im Unternehmen zur Stärkung des Eigenkapitals stehen lassen, es an die Aktionäre ausschütten, Kredite zurückzahlen oder aber eigene Anteile am Markt erwerben. Seitdem die Zinsen niedrig sind, werden die Gewinne immer weniger zur Kredittilgung verwandt. Eine Ausschüttung an die Aktionäre kommt auch nur bedingt in Frage, weil nicht sicher ist, ob die in einem Jahr erzielten guten Gewinne auch dauerhaft sind und eine gute Ausschüttung an Aktionäre eine Erwartungshaltung schaftt, die man womöglich in den Folgejahren nicht mehr gerecht werden kann, wenn die Gewinne nicht mehr oder nicht mehr in dieser Höhe anfallen. Deshalb wird die durch die Gewinne erzielte Liquidität in zunehmendem Maße zum Rückkauf von Aktien, also zum Erwerb eigener Aktien eingesetzt.

Für den Aktionäre, die damit keine Ausschüttung erhalten, ist dies nicht nachteilig, weil sich mit dem Aktienrückkauf der "Kuchen" auf weniger Aktionäre verteilt, so dass die eigenen Stücke damit entsprechend größer werden. Die Aktionäre haben dabei sogar steuerliche Vorteile. Durch das Ausscheiden anderer Aktionäre steigt der Kurs ihrer Aktien. Soweit sich die Aktionäre außerhalb der steuerlich relevanten Spekulationsfrist befinden, ist dieser Vorteil für sie sogar steuerfrei, soweit sie diesen Vorteil durch Verkauf ihrer Aktien realisieren. Eine Gewinnausschüttung dagegen wäre mit einer erheblichen Steuerlast verbunden.

Je höher ein Aktienrückkauf durch das Unternehmen erfolgt, desto mehr wird allerdings ein Krankheitssymptom der Wirtschaft offen gelegt. Ein Aktienrückkauf (soweit er nicht erfolgt, um sie über Optionsprogramme an Mitarbeiter weiterzugeben) zeigt nämlich, dass es den Unternehmen immer schwerer fällt, durch Investitionen eine höhere Rendite zu erzielen, als sie mit dem Aktienrückkauf erzielen können. Denn wenn ein Unternehmen gute Gewinnaussichten durch eine Investition hat, dann wird das Unternehmen diese Investition durchführen und hat kein Kapital für die Verwendung zum Aktienrückkauf frei. Das Unternehmen ist froh, dass es die nicht ausgeschütteten Gewinne zur Finanzierung ihrer Investition verwenden kann und insoweit nicht auf Fremdkapitalgeber angewiesen ist.

Insgesamt wird das Unternehmen durch ihre Aktienrückkäufe geschwächt. Denn eigenes Kapital fließt aus dem Unternehmen an Dritte, nämlich an die Verkäufer der Aktien ab. Verschlechtern sich die Geschäftsaussichten des Unternehmens in der Zukunft, dann fehlt dieses Kapital oftmals für Restrukturierungsarbeiten oder andere Neuinvestitionen. Der Weiterverkauf der eigenen Aktien auf dem Kapitalmarkt führt dann aber meist zu einem Verlust, weil der Kurs der Aktien in einem solchen Falle gesunken sein wird. Deshalb haben Aktienrückkäufe spektulativen Charakter, weil man hofft, dass sich der Aktienkurs erhöhen wird. Dies kann so sein, muss aber nicht.